Die 5 Lieblingsspielzeuge von Babys – eine Auswahl

Da wir auch zu Kind Nummer zwei reichlich Geschenke bekamen, mangelt es hier nicht an altersgerechtem Spielzeug. Nur dass das Baby dieses Spielzeug ignoriert und seine ganz eigenen Vorstellungen von anregendem, entwicklungsförderndem Zeug hat. Hier eine kleine Auflistung:

1. Schwerkraft

Löffel in die Hand nehmen, fallen lassen, hinterhergucken. Schnuller in die Hand nehmen, fallen lassen, hinterhergucken. Banane in die Hand nehmen, fallen lassen, hinterher gucken. Und so weiter….Überall zu haben, quasi umsonst. Und dieses “Spielzeug” soll schon Nobelpreisträger hervorgebracht haben.

2. Schneebesen

Gut zu greifen und ableckbar von beiden Seiten. Mit und ohne Pfannkuchenteig dran. Für Finger und Zunge ein besonderes, haptisches Ereignis. Ich mag es besonders wegen der Funktion “Du, ich muss auflegen, dass Kind hat grad seine Zunge im Schneebesen verhakt”

3. Papiertaschentücher in Plastikumhüllung

Knistert, als hätte es sich ein Kind persönlich ausgedacht. Man muss nur aufpassen, dass – falls schon vorhanden – die Zähne keine kleinen Löcher reinreißen. Ganz besonders wenn es Taschentücher mit ätherischen Ölen sind…

4. Waschzettel

Von allem: Kuscheltieren, Anziehsachen. Das ultimative Spielzeug wäre ein Waschzettel mit Waschzetteln dran. Aber nicht diese Schnuffeltüchern mit “gefaketen”, zum Anlullern gedachten Schlaufen. Darauf fallen die kleinen Würmer nicht rein.

5. Alles, was “NEIN!” heißt

Kabel, Steckdosen, Blumen(töpfe), Treppen… Vielleicht spielen Babys also doch mit “Babyspielzeug”, wenn man es deutlich mit “NEIN!” anschreit? Das muss ich tatsächlich noch testen.

So, wie ihr seht: Babys mit anregendem, pädagogisch…äh interessantem Spielzeug auszustatten ist sehr einfach und fast KOSTENLOS! Falls ihr selber keine Kinder habt, aber Schwangere/Neu-Eltern im Bekanntenkreis, ihr wisst ja jetzt, was zu schenken ist.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort und freut sich über Kommentare zu weiterem, babyfreundlichem Spielzeug!

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Nicht zusehen, diskutieren, bitte! White Privilege, Pegida und Charlie Hebdo

Puh. Nach einer Woche harter Nächte und dem Fakt, dass meine grandiosen Vorhaben für dieses Jahr schon am Schlafmangel scheitern (sind wir nicht so pessimistisch: aufgeschoben wurden) erlaube ich mir, meine Pläne, dieses Blog aufzuhübschen und Artikel zu planen, eine Weile hinten an zu stellen und was zu “aktuellen Ereignissen” zu schreiben. Dieser Post, bzw. dessen Forderungscharakter richtet sich an meine weißen Leser_innen.

Im Kontext von #Pegida, #CharlieHebdo und Co bin ich grade entsetzt. Darüber was passiert (ist). Über die Reaktionen hier und da. Meine Fantasie reicht vermutlich nicht mir vorzustellen, wie es momentan in diesem Land, in diesem Europa, als Muslim_in oder PoC ist auf die Straße zu gehen. Überhaupt, bei all dem was weiße Menschen grade in Medien, auf der Straße und Co. so vom Stapel lassen. Ich habe nicht den Eindruck, dass das ein paar vereinzelte arme Spinner sind. Wusstet ihr, dass #KillAllMuslims grade “trending topic” bei twitter ist? Das also nach dem Anschlag auf CharlieHebdo dazu aufgefordert wird, alle Muslime umzubringen? Bitte, was haben eine Religion und Mörder gemeinsam? Als Dr. Tiller erschossen wurde, hat man danach auch dazu aufgerufen, alle Christen umzubringen? (zum Kontext: Dr. Tiller war ein Arzt, der Abtreibungen durchführte und von einem militanten Abtreibungsgegner erschossen wurde. Dieser Abtreibungsgegner “wusste, dass das Auge des Herrn wohlgefällig auf ihm ruhte” – Quelle – ).

Leute zu töten ist nicht zu rechtfertigen. Egal im Namen welcher Religion oder auch ganz ohne Religion. Ehrlich: Entsetzen über diesen Anschlag auf die Redaktion eines Satiremagazins: JAJAJA! Aber ich möchte nicht die vergessen, die sich jetzt nicht mehr auf die Straße trauen, weil sie für irgendwas grade stehen sollen, womit sie nichts zu tun haben.

Noch ein Wort zu Satire: Satire habe ich immer so verstanden, dass mit den Mitteln Bild und Schrift die Mächtigen eins auf den Deckel kriegen sollen. Die, die ihre Macht missbrauchen, sich daneben benehmen. Leider erlebe ich bei vermeintlich satirischen Bildern und Texten oft, dass Sexismus und Rassismus reproduziert werden, statt das diejenigen entlarvt werden, die sich dieser Mechanismen bedienen. Echte “Satire” habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Jetzt zum “Forderungscharakter”: Ich kam dieser Tage das ein oder andere Mal bei Facebook und Twitter in die Situation, wo jemand – meiner Ansicht nach – was rassistisches schrieb, bzw. Rassismus negierte. Nicht im Sinne von “Ich bin pro Pegida” oder “Muslime/Schwarze sind…”. Das Niveau war eher: Blackfacing (im Falle von den Sternsingern oder Zwarte Piet) sei doch ok (Spoiler: ist es nicht). Oder dass das N*Wort ok sei, wenn es Satire ist (auch hier: nope. Dann ist es außerdem keine Satire, siehe oben).

Meine erste Reaktion war: “Ach komm, mach den Rechner einfach zu und reg Dich jetzt nicht wegen so was auf.” Und dann fiel mir auf: Das ist ein Privileg. Mich nicht einmischen MÜSSEN, weil es mich nicht betrifft (im Sinne von: ich muss hier nichts sagen/schreiben, sondern kann die Situation ‘gefahrlos’ verlassen). Und habe mich also entschieden, zu kommentieren. Vorweg: Auch ich bin nicht mit dem perfekten, antirassistischen Vokabular und Wissen ausgestattet und bestimmt das ein oder andere Mal ins Fettnäpfchen getreten. Als ich das erste Mal zum Beispiel was zum Thema Rassismus schrieb wartete ich auf das ‘Schulterklopfen’ (Likes, Favs) meiner PoC-Freund_innen. Das blieb aus. Und ich verstand: Hey yes. Das was ich hier tue ist selbstverständlich. Keine Kekse.

Aber ich lasse mich in dieser Hinsicht belehren (auch das ein Privileg übrigens). Als Weiße finde ich es also “ok”, wenn jemand fragt, warum blackfacing beispielsweise NICHT ok ist (kurz: blackfacing meint das Anmalen weißer Haut, um wie ein_e Schwarze_r auszusehen und hat eben keine unschuldige Verkleidungsfreude als Hintergrund, sondern ist rassistische Tradition, für mehr, bitte den Link oben), oder welcher Ausdruck für Schwarze Menschen jetzt aktuell ist. Denn leider ist das nicht Grundbildung. Aber wenn jemand nach (meinen entsprechenden) Erläuterungen immer noch sagt: “Ich seh das jetzt trotzdem nicht ein” – dann bin ich sprachlos. Und vermutlich geht es etlichen Muslim_innen und PoCs STÄNDIG so. Dass sie immer wieder das Gleiche erklären müssen. Und sie sollen es nicht tun müssen.

Deshalb jetzt die Forderung an meine weißen Leser_innen: Mischt Euch ein, wenn ihr könnt. Lest oder überfliegt wenigstens Seiten wie Initiative Schwarzer Menschen, Bühnenwatch oder Der braune Mob oder, oder (falls ihr noch gute Links wisst, bitte in die Kommentare). Dort findet ihr auch schnell ein paar Argumentationen, wenn ihr euch “unwissend” fühlt. #Pegida besteht nicht aus ein paar armen Irren. CharlieHebdo war nicht die Tat von “Muslimen”. Rassismus ist in der breiten Mitte und es ist Aufgabe von uns, dagegen anzutreten.

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Tschüss!

/home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/c3b/22543855/files/2014/12/img_2878.jpg Wow! Der letzte Eintrag hat meine Statistiken gesprengt! Kein anderer Beitrag wurde so oft geliked und geteilt wie dieser! Danke auch für all die Kommentare! Zu sehen, dass es andere Eltern (und Bezugspersonen von Kindern) gibt, die bei diesem “Xy ist nichts für Mädchen_Jungen” nicht mitmachen – das gibt Hoffnung :-) Und weil man aufhören soll, wenn es am Schönsten ist sage ich tschüss für dieses Jahr! 2015 bin ich dabei und kündige schon mal an: Es wird ein paar kleine Veränderungen geben. Öfter und mehr Inhalte (das ist der Plan) und an einem etwas netteren Design arbeite ich auch! Ich wünsche Euch geruhsame Feiertage, egal ob oder wie oder mit wem ihr feiert. Bis zum nächsten Jahr also und noch mal ein dickes Danke an alle Euch treuen und neuen Leser_innen! (Auf meiner facebook-Seite gibt es aber auch zwischen den Jahren das ein oder andere Bonmot…)

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Wie mein Kind ein Junge wurde – Part 2

Minime ist inzwischen dreieinhalb. Vor gut einem Jahr beschrieb ich meine Beobachtungen, wie aus ihm ein Junge gemacht wird: Durch Interpretation seines Verhaltens, Auswahl seiner Geschenke und Anziehsachen und so weiter. Inzwischen ist Minime ein kleiner Mensch, der durchaus selber kommunizieren kann und ich sehe plötzlich, dass es nicht nur “Erwartungen” sind, die an ihn heran getragen werden, ich sehe oft deutlich, wie seine Bedürfnisse und Wünsche ignoriert werden, wenn sie nicht den geschlechtsspezifischen Anforderungen entsprechen. Oft tut es mir richtig weh, wenn ich sehe, wie er versucht, einen Wunsch oder ein Bedürfnis zu formulieren und dieses ignoriert, übergangen oder lächerlich gemacht wird. Ein paar konkrete Beispiele:

Im Schuhladen. Winterschuhe stehen auf dem Einkaufszettel. Wir sind in einem kleinen Laden für Kinderschuhe. Minime hat wenig Interesse, die Schuhe anzuprobieren, ihm gefallen scheinbar die tristen (Jungs!)Farben nicht. Neben ihm sitzt ein ca. 8 Jahre altes Mädchen und probiert Turnschläppchen an, wie wir (Mädchen) sie früher im Turnunterricht trugen. Mit Glitzer! Minime war fasziniert. “Ich will auch Glitzerschuhe!” Ich merke sofort: Ich komm aus diesem Laden nicht raus und kriege ihn auch nicht dazu, was anderes anzuprobieren, bevor er solche Schuhe hat. Ich wende mich also an die Verkäuferin. Ihr Gesichtsausdruck überrascht mich: Sie wirkt peinlich berührt und versucht Minime zu überreden: “Aber probier doch hier mal die Schuhe, die sind besonders cool!” Wie vermutet interessiert sich Minime grade nur noch für diese Glitzerschuhe. Ich sage “Ist schon ok, haben sie welche in seiner Größe?” Jetzt kann ich den Gesichtsausdruck der Verkäuferin nicht mehr deuten. Glaubt sie, ich mein das nicht ernst? Ist sie verwirrt, schockiert? Sie versucht noch ein schwaches, an Minime gerichtetes “Komm, ich zeig Dir noch kurz…” aber Minime steht schon wie versteinert vor dem Mädchen, dass die Glitzerschuhe anhat. Mit wunderschönen Glitzerschuhen verlassen wir doch noch den Laden.

Beim Kinderschminken. Minime möchte ein Schmetterling werden. Das sagt er, laut und deutlich. Der junge Mann, bei dem er sich zum Schminken anstellt, schaut – ja wie. Verdutzt? “Hier guck mal, möchtest Du ein Pirat sein?” (Er deutet auf seine Vorlage). “Nein, ein Schmetterling!” “Oder hier, hier habe ich einen Bären!” Jetzt ist Minime überfordert. Er schaut wirklich so, als wenn er sich fragte, warum sein Gegenüber ihn nicht versteht. Ich werfe also ein: “Er möchte ein Schmetterling sein” – Vielleicht braucht der junge Mann diese Legitimation meinerseits, aber endlich fängt er an, aus Minime einen Schmetterling zu machen.

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Nikolaus waren wir bei Freunden zu einer Nikolausfeier. Die Eltern brachten kleine Geschenke mit, die in einen großen Beutel gesteckt wurden, die der “Nikolaus” später verteilen sollte. Für Minime hatte ich ein Buch. Die Mädchen in der Runde bekamen fast ausnahmslos Feen und Pferde aus der Playmobil-Serie. Minime war hin-und-weg. Sein Buch fand er zwar auch toll, aber erst mal wollte er mit Feen und Pferden spielen. Es war gar nicht leicht, jemanden zu finden, der bereit ist, ihm Weihnachten eine kleine Fee mit Pferd zu schenken (wir hatten unsere Geschenke schon zusammen, sonst hätte ich es einfach selber gemacht).

Im Kindergarten. Ich hole Minime ab. Die Erzieherin und die Kita-Leiterin stehen neben uns und unterhalten sich über die kaputte Telefonanlage und wie sie weiter verfahren werden. Die Erzieherin sagt, sie würde noch einmal probieren, den Stecker rauszuziehen und wieder rein zu tun, ansonsten würde sie den Techniker anrufen. Die Kita-Leiterin dreht sich lachend um und ruft: “Ja ja, Frauen und Technik!” Minime starrt ihr hinterher.

Die Liste ließe sich endlos weiter führen. Minime hat inzwischen ein Gespür dafür entwickelt, was “Mädchen” und “Jungen” dürfen. Er scheint zu verstehen, dass bestimmte Sachen und Verhaltensweisen für Mädchen ODER Jungen sind. Dann sagt er zum Beispiel: “Mama, ich bin jetzt ein Mädchen”, wenn er Haarspangen möchte. Und ich weiß nicht, ob ich ihm sagen soll, dass er einfach ein Junge ist, der Haarspangen trägt, oder ihm die Option “ich bin ein Mädchen” einfach lasse. Am liebsten wäre mir, dass das überhaupt kein Thema sein müsste.

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Primzahlen zählen

In den letzten Wochen kochte eine Welle an Empörung hoch. Ausgelöst durch einen Zeitungsbeitrag, in dem jemand die Tatsache rechtfertigte, sein Kind ab und zu doch mal auf “witzige” Art versohlen oder am Ohr ziehen zu dürfen. Ich erspare Euch die Links, vermutlich wisst ihr um welche Zeitung es geht.

Gewalt an Kindern geht gar nicht. Ich frage mich bei meinen Versuchen, aus meinen Kindern so was wie selbstbewusste aber (ist das überhaupt ein aber? also: UND) rücksichtsvolle (Mit)Menschen zu machen oft, wo Gewalt in so einer Abhängigkeitsbeziehung wie der zwischen Eltern (oder: Erziehungsberechtigten und anderen “Aufsichtspersonen”) und Kindern beginnt. Boah, das ist anstrengend. Ich erinnere mich da an Situationen…Zähne putzen zum Beispiel. Klar ist: muss sein! Also gaaaanz wenige Ausnahmen lass ich gelten (wir waren lange unterwegs, kommen spät abends erst zurück, Kind schon eingeschlafen. Dann streite ich nicht ums Zähne putzen). Also natürlich schlage ich mein Kind nicht, das wollte ich hier nicht suggerieren. Ich meine, welche Formen von “Argumentieren” und Sanktionieren gehen noch als “das Beste fürs Kind” durch und welche sind eigentlich schon nicht mehr ok. Angst machen? (Wenn Du nicht putzt, fallen Dir die Zähne aus!) Überhaupt dieses, “Wenn Du nicht…dann…” Aber ehrlich, manchmal fällt mir auch nix anderes an.

Mir persönlich machen andere Situationen Sorgen. Meine Persönlichkeit hat nämlich zwei echte Schwachstellen, wenn es um Kinder/Babies geht: Ich bin extrem empfindlich was akustische Beschallung angeht (jammern, ningeln, aber auch 100mal Warum?) und die Unterschreitung meines Tanzbereiches: also diese körperliche Dauer-In-Beschlagnahme. Das Baby versucht zum Beispiel ständig in mein Gesicht zu kneifen. Minime springt mir gerne mal unangekündigt auf den Rücken oder zieht mich am Arm. Das Baby jammert. Oft kommt ja beides in Kombination. Ich bin nicht nur “genervt”, ich merke richtig, wie mein Blutdruck steigt, mir warm wird und sich alles verspannt. Tagsüber lässt es sich ja noch oft aus der Situation gehen: Mal kurz eine Ansage machen, das jetzt mal Ruhe ist (beim Kleinkind) und das Baby ins Bettchen legen, durchatmen. Weiter.

Aber nachts…wenn das Baby mal wieder zwei Stunden “wach” ist (denn wach ist das falsche Wort. Nach 30 Minuten babbeln und Händchen bestaunen ist es meistens wieder müde, findet aber nicht in den Schlaf), mein Rückenmark dagegen noch auf Tiefschlaf steht. Der Mann beruflich unterwegs, das Baby weint und kneift mir in die Nase oder kratzt. Mit seinem Gejanke könnte es Minime wecken (falls der nicht schon neben mir steht und fragt, warum das Baby weint -.- ). Wie gesagt, das löst in mir körperliche Reaktionen aus, die ich nur schwer ignorieren kann. Mit der Zeit habe ich eine “Lösung” für mich gefunden: Sowas wie “bis 100 zählen” hat bei mir nie geholfen um mich runter zu fahren. Zu wenig Anstrengung und Ablenkung. Aber Primzahlen zählen, das geht. Fordert ein wenig Konzentration, ich kann die Geräuschkulisse ein wenig ausblenden (wenn ich mich sehr anstrenge) und merke, wie Blutdruck und Hitze ein wenig sinken.

Ich hoffe, ich kann auch für die Tageslicht-Momente eine Lösung finden. Sonst kann ich mich mit Fug und Recht als die ungeduldigste Mutter der Welt bezeichnen.

Was hilft Euch in diesen Situationen? Habt ihr andere Situationen, die Euch herausfordern? Macht sich das körperlich bemerkbar? Mich interessieren Eure Strategien und “Stresssituationen”!

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So ‘ne Art Wiedereinstieg

Als ich mit Cashew schwanger wurde, war ich grade in einem tollen Projekt tätig. Ich hielt Workshops zum Thema “Gender in der Berufsorientierung” für Pädagog_innen. Da die Gruppen, für die ich diese Workshops hielt, immer unterschiedlich zusammen gesetzt waren (mal Mitarbeiter_innen der Arbeitsagentur/Jobcenter, mal Mädchenarbeiterinnen, mal Handwerker) war es immer wieder spannend zu sehen, was für Rückmeldungen kamen, wie die Inputs aufgenommen wurden und was für Ideen mit eingebracht wurden.

Leider war das Projekt befristet und so sah ich mich im 3. Schwangerschaftsmonat Bewerbungen schreiben. Mit mäßigem Elan, natürlich und auch nur kurz. Denn ab dem 5. Monat brauchte ich ja auch nicht mehr anfangen. Wie dem auch sei, jetzt wartet halt nichts auf meine “Rückkehr” in den Job. Ich finde es aber viel zu Schade, mein Fachwissen einfach versauern zu lassen und habe deshalb einige Projekte angefangen, und hoffe, wenn Cashew im Sommer bei der Tagesmutter ist, richtig durchstarten zu können. Trotzdem möchte ich Euch zumindest von einigen der Projekte erzählen:

1. Das, was ich in diesen Workshops gemacht habe, würde ich gerne auch weiterhin tun: Mein Fachwissen weiter geben. In Workshops, Seminaren, Lehrveranstaltungen. Auf meiner “professionellen” Website  blogge ich nicht nur über Aktuelles, unter “Über mich” erfahrt ihr auch  mehr zu meinen Themen. Mir ist schon klar, dass mir die Aufträge jetzt nicht einfach so reinflattern, aber mich motiviert es, mich als Freiberuflerin ernst zu nehmen und mich aktiv um die Akquise zu kümmern.

2. Das Thema “Feminismus & Mutterschaft” treibt mich ja bereits seit meiner ersten Schwangerschaft um. Mir fällt kein Buch ein, in dem – auch für Leihen verständlich – das Feld interessant aufbereitet wird. Klar, es gibt “Der Konflikt” von Badinter (seeehr polemisch) oder “Die deutsche Mutter” von Vinken. Ich würde gerne etwas schreiben, dass sich mit verschiedensten Feldern beschäftigt (angefangen von Reproduktions- und Biopolitik über feministische Potentiale verschiedener Familienformen, darüber wie Kinder zu Jungen und Mädchen gemacht werden und wie man seine eigenen Kinder “feministisch” erziehen kann, welche Ideen schon die 2. Frauenbewegungen hatten und was die Aufteilung in Lohn- vs. Reproduktionsarbeit macht. Was “Mutti”blogs für die feministische Bewusstwerdung tun und was die aktuelle Hebammensituation und die Gesundheitspolitik für einen Einschnitt in die Selbstbestimmung über weibliche* Körper bedeuten. Auch Abtreibung, Verhütung und Kinderlosigkeit sind Themen, die in einem solchen Buch nicht fehlen dürfen!). Grade arbeite ich noch an einem Exposé, um überhaupt eine Agentur bzw. einen Verlag zu finden. Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit (überarbeiteten) Beiträgen aus meinem Blog und leiten dann über auf das historisch-gesellschaftliche Gesamtbild, falls ihr Euch das vorstellen könnt.

3. In der Kampagne Konsens Karneval geht es darum, den Kölner Karneval (und anschließend auch in anderen Regionen) zu einem besseren Ort zu machen ^^, in dem Frauen nicht übergriffigem Verhalten ausgesetzt sind und wenn doch, ihnen nicht die Schuld zugewiesen wird, “weil sie ein sexy Kostüm” anhaben oder betrunken sind. Habt ihr Lust mitzumachen? Wenn ihr Karneval feiert, macht doch ein Foto von Euch im Kostüm und schickt es mir. Ich setze dann als Schrift “Mein Kostüm ist keine Einladung” davor und veröffentliche es auf meinem Tumblr. Um auch die Typen anzusprechen, suche ich nach sowas wie den “10 Geboten” für gutes Benehmen. Ähnlich wie das Kölsche Grundgesetz. Falls ihr dazu Ideen habt, gerne her. Ich werde ab Januar die verschiedenen Gleichstellungsstellen, Polizeidienststellen und Co. hier in der Region anschreiben und auf das Projekt aufmerksam machen.

Tja, noch habe ich für alles gleichzeitig nicht genug Zeit (und es gibt noch mindestens ein Projekt, da arbeite ich aber mit anderen zusammen und gebe erst laut, wenn wir auch was vorzuzeigen haben), aber es macht mir Mut, dass es weiter geht und mein Studium nicht umsonst war.

Andere hier, die sich mit dem Thema Wiedereinstieg (der bei mir ja eigentlich keiner ist) beschäftigen? Bei Mamamia gab es einen eher frustierten Bericht, bei MamaNotes einen eher Tschakka-Mutmach-Post, denn sie hat sich professionell (und kostenlos!) beraten lassen!

 

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Ein halbes Jahr zu viert

Cashew ist jetzt 6 Monate alt. Ein halbes Jahr sind wir in dieser Wohnung zu viert. Ein halbes Jahr, in dem wir mit Cashew vertraut wurden. Bei Minime war das der Zeitpunkt, an dem ich wieder arbeiten gegangen bin. Nun, diesmal wartet keine Stelle darauf, dass ich wieder komme, aber dazu im nächsten Beitrag mehr.

Wir haben uns eingegroovt, würde ich sagen. Cashew ist – Überraschung! – anders als Minime und das zu lernen und umzusetzen hat eine Weile gedauert. Cashew hat zum Beispiel eine innere Präzisionsuhr, was Schlafenszeiten angeht. Wenn man dann nicht richtig reagiert, hat man schon mal ein sehr leidliches Kind. Versteh ich, aber da Minime zumindest tagsüber schlief, wie es grade passte (meistens in der Trage oder im Kinderwagen), hat es eine Weile gedauert bis ich akzeptierte, meinen Tagesablauf ein wenig an den von Cashew anzupassen. Nachts funktioniert diese Präzisionsuhr übrigens nicht ganz so gut. Wir hatten hier eine sehr lange Phase, in der er nachts wach wurde und es dann zwei Stunden blieb. Leider nicht gut gelaunt, sondern nach einer halben Stunde merkte man: Eigentlich ist er selber sehr müde, aber findet nicht in den Schlaf. Bei Minime half dann meistens: Milch. Körperkontakt. – Bei Cashew kann es dagegen nichts Schlimmeres geben, als ihn dann hoch zu nehmen, rumzutragen oder oder oder. Ziemlich genau nach zwei Stunden schlief er dann wieder ein. Gerne dann, wenn ich grade das Fläschchen neu füllen wollte, das Zimmer verließ und dann wieder rein kam: Cashew eingeschlafen. Ts.

Cashew “fremdelt” auch längst. Wenn man irgendwo hinkommt und ihn zu schnell hinlegt oder jemand anderem (auch wenn es keine_e Unbekannte_r ist) in den Arm drückt ist ganz schnell Alarm. Kannten wir von Minime auch nicht.

Aber genug mit den Vergleichen. Jedenfalls beginnt so langsam die Zeit, in der ich gut klar komme mit Babys. Ehrlich, das erste halbe Jahr ist nicht so meins. Wäre Cashew nicht so schwer (knapp 11kg auf 74cm bei sechs Monaten) würde ich viel mehr unterwegs sein. Da er den Kinderwagen aber hasst wie die Pest ist die einzige Fortbewegungsmöglichkeit momentan der Fahrradanhänger. Reicht für Strecken von A nach B, aber zum Spazieren nicht ganz so praktisch. Ansonsten machen wir tatsächlich ein paar Sachen anders: Ich probiere mich grade durch verschiedene Stoffwindelsysteme und finde es herrlich, nicht mehr ständig dran zu denken, neue (Wegwerf)Windeln kaufen zu müssen. Und freue mich auf den Sommer, wo Cashew dann einfach untenrum nur eine der schönen Windeln tragen kann. Jaja, sagt nix. Und statt Brei-Kocherei und Gemüse pürieren probieren wir es mit “Breifrei”. Klappt sehr gut, wie ich finde. Das Kind muss man hinterher nicht baden, man kann die Krümel vom Essen einfach abklopfen. Sehr praktisch.

Ansonsten genießen wir grade die Vorweihnachtszeit. Naja, vermutlich hauptsächlich ich. Minime ist tatsächlich immer so beschäftigt, dass er morgens vergißt, in seinen Adventskalender zu schauen, der Nikolausbesuch am Samstag war kurz aufregend, dann waren die anderen Kinder wieder interessanter. Aber Kerzen, die im Adventskranz und die am Tannebäumchen, die liebt er. Klassische Bücher und Geschichten gibt es (noch) nicht, ich versuche auch die Waage zu halten, zwischen christlichen Ideen und einfach “menschlichen” Geschichten und Texten. Zum Nikolaus bekam Minime das Buch “Der Drache Kokosnuss feiert Weihnachten”. Das sollte dieses Jahr genügen.

Eine schöne Adventszeit, ganz egal, ob ihr Grinches seid, oder voll in dieser Jahreszeit aufgeht!

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