JEIN zu flexiblen Arbeitszeiten

neulich gab eine umfrage an, dass ‘mütter’ sich flexible(re) arbeitszeiten wünschen. ich sage – JEIN. also, wenn die sich das gewünscht haben, dann ist das wohl so. aber ich glaube nicht, dass das nur vorteile bringt.

1. ‘flexibel’ heisst in der realität meist leider nicht, dass ICH aussuchen darf, wann ich arbeite, sondern dass der ARBEITGEBER entscheidet, wann ich zu arbeiten habe. oder zumindest ständig neu vereinbart werden muss, wann wer im büro zu sein hat.

2. flexibel bei vollzeitarbeit kann ja nur sowas wie gleitzeit oder ‘lebenszeitkonten’ heißen. na gut. aber die meisten mütter arbeiten ja teilzeit. und wenn man nicht stempeln kann, ist es meist schwer genug, seine arbeitszeiten überhaupt nachzuweisen. besonders, wenn doch noch so viel arbeit unerledigt rum liegt.

3. grade bei hochqualifzierten tätigkeiten im wissens- oder dienstleistungsbereich heißt ‘flexibel’ auch – ich passe mich der kundin an. projektarbeit, deadlines undundund. da kann ich vielleicht sagen, ich muss mal grade weg, das kind holen, aber dann muss ich die arbeit später erledigen. zum beispiel nachts.

4. und flexibel heißt auch oft – im zweifelsfall zur stelle, wenn an der kinderfront was los ist. jedenfalls wenn der partner die volle stelle mit präsenzpflicht hat. dann sitzt man mit dem weinerlichen kind zu hause und versucht am rechner noch ein paar emails zu schreiben.

mein fazit: wenn die rahmenbedingungen stimmen kann ‘flexible arbeitszeit’ das leben erleichtern. dafür braucht es aber einen job, der inhaltlich so ausgelegt ist, dass es egal ist, wann man arbeitet (z.B. keine deadlines, projektarbeit…), dass man idealerweise zeiterfassung hat und nicht in teams arbeitet, die arbeitsteilig funktionieren.

meine erfahrung zeigt jedoch, dass flexible arbeitszeiten rechtfertigung und organisation an allen erdenklichen stellen erfordern: vor der arbeitgeberin rechtfertigen, warum man jetzt nicht arbeitet und dass man sehr wohl das soll erledigt hat, vor dem partner rechtfertigen, dass man jetzt aber mal zeit für die eigene arbeit benötigt, vor dem kind rechtfertigen, dass man sich jetzt grade mal mit anderen dingen beschäftigt… dann lieber 5 std. täglich im büro und das drumherum organisieren.

Wie sind eure erfahrungen mit flexiblen arbeitszeiten? auch an leuteohnekind?

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12 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeit, eltern, meinung, muttersein

12 Antworten zu “JEIN zu flexiblen Arbeitszeiten

  1. Das sehe ich sehr ähnlich. Und man muss sehr damit aufpassen, dass man sich auch nicht selbst bescheisst. Schließlich “kann man das ja noch heute nacht machen” und geht dann trotzdem schlafen. Führt hin und wieder zu einem Berg, den man weiter vor sich herschiebt und der immer größer wird…Außerdem neigt man schnell dazu, dass man einfach auch zuviel arbeitet. So zumindest meine Perspektive ohne Kind

  2. Vielleicht sollte es ja eher “flexible Betreuungszeiten” für Kinder geben. Wenn ich zum Beispiel mal am Nachmittag oder Abend eine Sitzung habe, stehe ich immer vor dem Problem der Betreuung.

  3. way_up_north

    wie bei so vielem würde ich sagen: es kommt darauf an ;-)
    in meiner diss habe ich ja auch zu ultraflexiblen arbeitsformen geforscht und da war natürlich z.b. ganz klar die tendenz zu erkennen, dass die arbeit die lebenswelt kolonisiert (ich leih mir mal die formulierung aus). v.a. dann wenn starke abhängigkeiten zur kundin oder anderweitigen arbeitgeberInnen bestanden, wenn dadurch die deadlines nur von eben jenen festgelegt worden sind usw.

    aus meiner eigenen erfahrung mit meiner eigenen superflexiblen arbeit ;-) würde ich allerdings sagen, dass so eine arbeitsform, wenn bestimmte voraussetzungen erfüllt sind, durchaus zu einer besseren balance von arbeit und leben (bzw speziell familie / kind) führen können (so erlebe ich das jedenfalls). diese bedingungen sind u.a.:

    – weitgehend selbsbestimmte arbeit inkl. vertrauensverhältnis (eben kein chef / keine chefin, die / der kontrolliert / und / oder sagen kann wann ich was zu machen habe, keine beweispflicht für arbeitsstunden etc.).
    – familienfreundliche arbeitskultur: dazu gehört : keine obligatorsichen/ wichtigen treffen nach 15:30, keine informellen praktiken die langen präsenz am späten nachmittag / frühen abend vorsehen, wichtige soziale events finden mittags statt und nur in ausnahmefällen abends / oder abends mit familieanhang (morgen ist z.b. das sommerfest meiner forschungsgruppe, zu der explizit aller möglicher anhang miteingeladen wurde; es werden also sehr viele kinder da sein)

    das sind schonmal wichtige bedingungen, mag sein, dass ich was vergessen habe.
    was ich z.b. nicht verstehe, ist was eigentlich das problem mit deadlines/ projektarbeit sein soll? das ist doch nur ein problem, wenn die deadlines unrealistisch sind oder zuviel kontrolle stattfindet (oder die eigene zeitplanung zu schlecht ist, was ja in dem sinne nicht das problem der flexiblen arbeit ist ;-)) ich hab z.b. natürlich auch deadlines und projektzusammenarbeit etc. solange ich mir das selbstbestimmt planen kann, finde ich das funktioniert eigentlich ganz gut.
    was ich halt schon mache ist desöfteren abends zuhause dran zu sitzen – das nervt sich manchmal, nehme ich aber in kauf für meinen traumjob. dafür gehe ich aber eigentlich nie nach 16:00 und habe dann noch viel zeit mit dem kinde ;-) (und ich arbeite vollzeit, wohlgemerkt) durchaus vorkommende wochenendarbeit bummele ich dann im sommer unter der woche ab (kein mensch kontrolliert hier irgendwelche arbeitsstunden). :-)

    • ich glaube, dein kommentar widerspricht meinem nicht, sondern ergänzt ihn ganz gut. darf ich das (natürlich mit nennung) in den post einfügen?
      und ja, meine perspektive war ja von der deutschen realität aus gesprochen. und bei meinem momentanen job erlebe ich das eben sehr als belastung.

      • way_up_north

        ja @ einfügen & ja @ ich kann deine perspektive auch nachvollziehen
        übrigens war kürzlich in meiner zeitung ein artikel darüber, ob alleinerziehende zur neuen idealarbeitskraft werden ;-) aus dt. perspektive kaum nachvollziehbar, aber heir macht das durchaus sinn. das verdeutlicht ja auch die unterschiede ganz gut…

  4. way_up_north

    ach so, ich habe was vergessen – ich würde sagen, leider arbeite ich durchaus mehr als die hier bezahlten 37 stunden vollzeitarbeit; vielleicht im durchschnitt eher 45-47 std/woche, und das find ich schon nervig. 8 stunden pro tag find cih nämlich eigentlich o.k. mit family / kind zu vereinbaren, 10 stunden find ich allerdings ätzend und ich hab immer das gefühl, dann bleibt nix mehr zum leben übrig. das mit den 10std. mach ich aber nur in stoßzeiten oder wenn meine eigene zeitplanung nicht hingehaut hat und auch nicht mehr als 2-3 tage in einer woche (und auf keinen fall in jeder woche). es funktioniert also nicht alles toll, aber ich habe das gefühl die flexibilität hilft.

  5. Das ist jetzt aber einfach mal ein Missverständnis. Dass wir uns flexiblere Arbeitszeiten wünschen unterschreibe ich sofort. es geht darum, dass es in Deutschland gängige Zeitmodelle gibt. Das ist zum Beispiel der übliche 9to5-Büro-Job. In der deutschen Regel beträgt eine Schicht vier – acht Stunden. Wir würden uns aber wünschen, dass diese Zeiten flexibler gestaltet würden. Das heißt nichts anderes als: Wir wollen unsere Stunden selbst auf die Woche verteilen, wir wollen Gleitzeit, etc.
    Das ist ein begriffliches Problem. Aber wir wollen das. Sei Dir sicher! Es ist nur missverständlich formuliert.

    Ansonsten gebe ich meiner Vorrednerin Recht. Vor allem wollen wir flexiblere Betreuungsmodelle, aber die können wir ja ab nächstem Jahr einklagen … ;)

  6. ich seh bei meinen freundinnen, was passiert wenn arbeitszeit auf vertrauen eingeführt wird. die arbeiten alle mehr als vorher, kriegen aber das gleiche bezahlt und keinerlei ausgleich für die geleisteten überstunden. wenn immer mehr arbeit da ist, als das team in 8 std leisten kann, profitiert davon nur das unternehmen. und da die arbeit ja flexibel ist wird nachts und am wochenende zusätzlich gearbeitet. also wie way_up_north beschreibt: felxibel bedeutet dann plötzlich immer. in meinem exjob hatten wir kernarbeitszeiten (von 9 bis 15 uhr, di-do präsenz, mo&fr extern aber erreichbar) und in denen liegen dann auch alle meetings. das habe ich als sehr positiv erlebt. und das es trotzdem stundenzettel gibt, und überstunden bezahlt werden (oder eben abgefeiert). ich hab mir sagen lassen, dass das eher unüblich ist (also das bezahlen). dann umgeht mensch nämlich auch der falle das eine halbe am ende eine dreiviertel stelle ist usw. ich fürchte bei uns klappt das alles aber auch nur so gut weil chef2 selber noch ein kind daheim hat und das unternehmen mit 20 mitarbeiterInnen auch eher klein ist… ich hab ja wegen des umzugs nach der geburt nur noch von zuhause gearbeitet das fand ich total blöd. ich glaub das ist eher ein modell für ältere kinder. toll war, das sich die chefs/kollegInnen auch bei präsenzterminen abends und am wochenende mit drum gekümmert haben, wie die kinder versorgt werden. (kunststück, chef1 ist mein vater und was für mich gilt, gilt dann auch für alle anderen) also flexibel kann gut sein, aber wie immer nur wenn alle beteilgten sich unterstützen und das arbeitspensum passt.

  7. Hallo Zusammen,
    ich kenne beide Seiten. Auf der einen Seite die Kernarbeitszeit mit Stempeln und „relativ“ geringer Flexibilität, aber dem auch schon hier diskutierten grandiosen Vorteil des „wasserdichten“ Nachweis der Anwesenheit und dem Ausgleich der Überstunden durch Gleitzeit. Meiner Meinung nach ein guter Kompromiss.
    Viel flexibler sind unsere Freiberufler unterwegs: Sie kommen und gehen mehr oder weniger wann sie wollen. Ist sicherlich sehr flexibel aber wir anderen wissen nie genau, wann wir welchen Ansprechpartner zu fassen kriegen und das ist dann (insbesondere wenn man viele Schnittstellen hat) frustrierend. Außerdem stehen die total „Flexiblen“ immer unter Generalverdacht weniger zu machen und „nie“ da zu sein.
    LG Helen

  8. Ob nun flexibel oder nicht, ich denke Zeiterfassung ist absolut essentiell. Was die Flexibilität angeht, so wünsche ich mir das auf jeden Fall. Hab an der Uni die Freiheit gehabt, meine Arbeit genau dann zu machen, wenn ich wollte, von zwei Meetings die Woche abgesehen. Ich habe das als sehr entspannt empfunden und meine Promotion trotzdem überdurchschnittlich schnell abgeschlossen.
    Jetzt habe ich eine Arbeit, in der das Arbeiten von zu Hause aus leider untersagt ist – finde ich absolut nicht in Ordnung. Ich sehe, wie entspannt es mein Mann hat, der arbeitet zwei Tage die Woche von zu Hause aus. Kein Stress mit dem Fahren, bei Meetings telefonisch oder am Laptop zugeschaltet sein, und die Zeit wird trotzdem erfasst und abgerechnet. Sowas will ich auch!

  9. Pingback: Berufstätige Väter … oder so | aufZehenspitzen

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