Gelesen: Muttergefühle. Gesamtausgabe (Rike Drust)

hätte mich in den letzten wochen und monaten jemand gefragt, ob es etwas gibt, wofür ich freiwillig eine stunde schlaf opfern würde – ich hätte erst hysterisch gelacht und geweint und die person dann in eine geschlossene einliefern lassen. muss doch jeder v*ollidiot sehen, dass ich nichts mehr brauche als schlaf!

aber dann: kaufte ich gestern das buch, von dem ich so viel berichtet habe und das auch eine eigene facebook-seite hat: muttergefühle. gesamtausgabe von rike drust. die ersten 67 seiten verbrachte ich in einer position, die diese indische göttin mit den vielen armen neidisch macht: in der linken hand das buch, in der rechten das kind. fläschchen unters kinn geklemmt und das rechte knie an der tischplatte abstützend, damit wir nicht vom hopsball fallen. da minime offensichtlich den ernst der lage verstand, schlief er schon um 20 uhr abends ein und ich verbrachte die halbe nacht mit lesen. jetzt sollte jeder mutter klar sein: mehr lob und begeisterung für ein buch kann es nicht geben, wenn man dafür freiwillig schlaf opfert. aber etwas mehr möcht ich schon darüber schreiben.

schon vor einigen monaten stolperte ich über den blog der autorin. so herrlich wie der verlinkte blogeintrag ist die schreibart des ganzen buches: also nicht lesen, wenn das kind daneben schläft, denn alberne lachanfälle sind beim lesen garantiert.*

also, jetzt butter bei die fische: drust ging es darum, ein buch zu schreiben, dass sie selbst gern in der ersten zeit als mutter gelesen hätte. ohne erhobenen zeigefinger und vorgaben, was mutter und kind können oder fühlen sollten. “Denn Muttergefühle sind so. Widersprüchlich, zu groß und zu vielfältig für jede Schublade, zu elementar und wild für Harmonieapostel und Allesrichtigmachenfanatiker” (aus dem klappentext). sie beschreibt witzig, ehrlich und manchmal selbstironisch wie einen die erste zeit mit kind überfordern kann, wie sich das leben und die beziehung verändert, und wie man plötzlich – weil schwanger oder mit kind unterwegs – zum öffentlichen gut wird. und in dieser form hat das noch keine_r gemacht! ohne: so wird das sein und so werdet ihr euch fühlen, wie ich das in den ollen ratgebern und bzga-heftchen vorfand. statt dessen konkrete beschreibungen und einblicke, was ihr in diesen situationen geholfen hat.

mein fazit: das buch ist viiiiiiiel zu kurz. aber es handelt sich ja ‘nur’ um die ersten zwei jahre mit kind. fortsetzung kann also noch folgen^^. mitgenommen habe ich vor allem, dass man sich selbst und anderen müttern das leben nicht zu schwer machen sollte. perfektion ist kein wünschenswertes ziel sondern energieverschwendung, an der man nur scheitern kann. auch wenn ich mich nicht in allen kapiteln wieder erkannt habe (bei anderen dagegen dachte ich, die muss hier bei uns kameras aufgestellt haben), dieses buch gehört in jedes elternbücherregal (dabei musste ich in der buchhandlung erst mal freundlich fragen, ob sie das buch haben. liebe buchhändler_innen: schmeißt die ratgeber aus dem fenster, wir brauchen platz zum dancen! für muttergefühle!).

also lieber coole-mutti-club, lieber hase, lieber wolf: lesen. sofort! oder zumindest, wenn das kind mit schuben, zahnen oder phasen fertig ist.

* am lautesten bei mir an der stelle mit ‘oje ich wachse’ (ich zitiere:) – das sollte das kind können: “Es kann ein einfaches dreiteiliges Puzzle zusammensetzen” – das kann es: “Er hat zwei Teile weich gespeichelt. Das dritte ist verschwunden”.

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10 Kommentare

Eingeordnet unter humor, leben, muttersein

10 Antworten zu “Gelesen: Muttergefühle. Gesamtausgabe (Rike Drust)

  1. Klingt toll, will ich jetzt auch haben!

    Und ja, meine Kleine sollte jetzt laut Oje ich wachse auch langsam mal anfangen zu laufen. Dauert aber glaub ich noch eine ganze Weile..

  2. Buch ist heute reingeflattert, genau wie du gerade in meine Blogroll! ;)

    Und: Was “Oh je, ich wachse” angeht, da kann ich nur laut in den Chor mit eingröhlen! Da fällt mir nichts ein außer das (unmögliche): “Das geht ja mal gaaaar nicht!”

    • Juhu, willkommen hier! Mir würde reichen, wenn das Kind durchschlafen könnte. Alles andere ist Kür…

      • Käthe

        Ich habe das Buch jetzt auf deine Anregung hin auch gelesen, aber es hat mir nicht besonders gefallen. Obwohl ich mich schon auch darin wiedererkannt habe. Irgendwie hatte ich doch auch andere Bücher gelesen, die nicht nur rosarot und weichgezeichnet waren, deswegen war es auch keine “Befreiung” mal über Sorgen und Nöte zu lesen.

        Und leider finde ich, dass man im Schreibstil so arg die Werbetexterin durchliest und das trifft nicht meinen Geschmack.

      • siehst du, und ich dachte die geburt sei das ‘schlimmste’ was mir bevor steht und das kind-haben sei dann einfach. aber wie heißt es so schön? mutter werden ist nicht schwer, mutter sein dagegen sehr. und ich hab da vorher einfach wenig bis nichts zu gelesen, schon gar nichts, was mal außerhalb des “oh wie toll wir sind jetzt eine familie”-gedöns war. oder das andere extrem, dieses märtyrer-muttertier mäßige. da kam muttergefühle grade zum rechten zeitpunkt – wobei ich gehofft hatte, selber mal so ein buch zu schreiben^^. tja, liebe verleger_innen: schreibt mir, dann schreib ich euch ein buch!

  3. Pingback: Buch: Muttergefühle. Gesamtausgabe « fuckermothers

  4. Pingback: Ausgelesen: Muttergefühle. Gesamtausgabe (von Rike Drust) « Die chaotische Welt der Geschlechter

  5. hab’ das buch auf deine lobeshymnen letzte woche im kloster gelesen, gleich nach schoßgebete ;). war’ne irre mischung, die mutterbeschreibungen jedoch gar nicht soo verschieden… ich hab’ keine kinder, bin 3o und war beim lesen auch echt begeistert! allein schon der titel ist ja allererste sahne, wie ich finde.

    • puh, dann haste mich nicht verflucht, weil du geld für ein buch ausgegeben hast, welches dir nicht zusagt. sowas find ich immer ärgerlich. und die autorin freut es bestimmt auch, dass das buch nicht-müttern gefällt. gibts von dir ne rezi zu schoßgebete, oder eine meinung? habs noch nicht gelesen…

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