Feminismus und Mutterschaft 8: Den jungen Menschen durch die Welt navigieren

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

It’s me, myself and child a.k.a Maria

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

auch wenn ich es manchmal selbst nicht glauben kann ist das großartige kind schon fast neun. es war eine bewusste wenn auch etwas naive entscheidung damals(tm), in der zwischenzeit ist viel passiert. ich glaube es lohnt sich nicht zu spekulieren was ich rückblickend anders machen würde. ich war und bin trotz allem froh sie in meinem leben zu haben. dafür steht immer mal wieder die frage nach einem zweiten kind im raum. eine frage, die ich mir selbst fast täglich anders beantworte. ich sage oft, dass ich mit 40 raus aus der sache bin und kann mir auch ehrlich gesagt nur schwer vorstellen noch mal von vorne anzufangen, zumindest nicht mit den momentanen gesellschaftlichen voraussetzungen (und ich denke nicht, dass die sich in nä. zeit großartig ändern werden), wenn doch gibt es für mich 3 variable optionen: 1. ich mache es wieder allein, aber diesmal wirklich allein. 2. die person(en), mit der ich mir die sorgearbeit teile übernimmt den größeren anteil derselben und/ oder 3. ich/ wir adoptieren ein älteres kind.

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

für’s kind kann und will ich nicht sprechen und für mich gibt es so vieles was ich dazu sagen und nicht sagen möchte, aber es ist eine komplexe geschichte, die bis heute noch mit vielen verschiedenen emotionen verknüpft ist, die hier den rahmen sprengen würde.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

bis zu einem bestimmten grad mit meinen eltern, besonders meiner mutter. ohne ihre unterstützung wäre ich aufgeschmissen, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist. am ende des tages bin ich allerdings allein mit entscheidungen, deren konsequenzen und der verantwortung. so hart das sein kann (und ich erwische mich in letzter zeit wieder öfter bei tagträumen von einer 2 erwachsene 1 kind familie) bin ich manchmal aber auch ganz froh, dass mir zumindest zuhause keine_r in unsere elter-kind-beziehung reinredet (den job übernimmt die gesellschaft ja zur genüge) und ich kompromisse nur mit mir selbst und dem kind ausmachen muss. gleichzeitig sind wir beide jetzt schon so lange alleine, dass es für jede person, dier ernsthaft mit uns zusammen sein und verantwortung übernehmen will kein leichter job sein wird bei uns anzukommen.

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

mhmm ich denke mutter- bzw. elter(n)schaft bedeutet für mich inzwischen vor allem den jungen menschen dabei zu unterstützen sich durch die welt zu navigieren, die hauptsächlich von erwachsenen für erwachsene gemacht wurde und kinder meist ausschließt. zuzuhören und auf ihre bedürfnisse einzugehen und gleichzeitig die eigenen bedürfnisse nicht aus den augen zu verlieren. ich finde eigentlich das passt sehr gut zu meinem verständnis von intersektionalem feminismus, habe aber leider noch oft das gefühl, dass (feministische) mütter/ eltern wenig raum und aufmerksamkeit innerhalb der feministischen bewegung erhalten.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-SEin” leben zu können?

also erstmal braucht es dafür ja nur mich, die sich entscheidet mit den vorhandenen bedinungen feministisch zu leben, um diese bedinungen jedoch zum besseren verändern zu können braucht es den austausch mit anderen menschen, die sich in ähnlichen situationen befinden um sich dann so gut es geht gemeinsam gehör zu verschaffen. gesellschaftlich (und damit auch politisch und wirtschaftlich) muss anerkannt werden, dass es nicht die eine wahre mutterschaft gibt sondern viele verschiedene elter(n)schaften und manche vielleicht nichtmal eine mutter beinhalten. wir müssen weg vom bild der klassischen heteronormativen kleinfamilie hin zu allen möglichen familienkonzepten, die mindestens ebenso unterstützendswert sind. vielleicht können wir anfangen mit dem verständnis dafür das nicht mütter* unflexibel sind sondern die gesellschaft.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

ich bin erst vor 1-2 jahren so richtig zum feminismus gekommen, was heißt das kind war schon älter und hat bereits vieles ungefiltert mitgenommen und sehr viel heteronormativität vorgelebt bekommen. interessanterweise hat sie aber einen namen, der geschlechtsneutral ist und auch bei spielzeug und kleidung habe ich mehr oder weniger konsequent auf diversität und die wünsche des kindes geachtet, was im prinzip heißt es konnte alles sein zwischen lillifee fahrrad und batman schulranzen. momentan besteht mein feministin-sein in zusammenhang mit dem kind vor allem darin, alternativen zur norm (männlich, hetero, cis, weiß, schlank etc.) anzubieten, die in der schule und auf dem schulhof herrscht und gelehrt wird. das geschieht meistens durch medien und gespräche, kann aber auch bedeuten, dass ich aktiv in der schule interveniere. gleichzeitig kann und möchte ich aber auch nicht alles immer verbieten, weil ich dem kind genug raum bieten möchte sich ihre eigene meinung zu bilden und zu lernen strukturen, ungerechtigkeiten etc. zu erkennen und zu durchschauen (oft kann ich mir dann aber doch kommentare zu problematischen dingen nicht verkneifen).

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

im unmittelbaren real life umfeld: nein und es fehlt mir ein bißchen, aber zum glück gibt es dich und andere tolle mütter, die ich dank des internets kennen gelernt habe, also: yay, internet! http://static.squarespace.com/static/50cced09e4b0409d2443c72c/t/51a67807e4b0c51869c090c8/1369864276171/yay-internet-jen-mussari.gif (tw flashy gif)

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

für mich in meiner situation ist sie notwendig und sie fehlt. ich habe neben dem mutter-sein eine ausbildung ganz und ein ba studium fast abgeschlossen und suche momentan dringen einen job, der miete und alle sonstigen kosten abdeckt, dummerweise in einer branche die für mütter mit am unflexibelsten ist.. wobei, welche branche ist das heute nicht? bei jeder bewerbung schwanke ich zwischen „das kind ganz aus dem lebenslauf weglassen“ und „die skills, die ich durchs mutter-sein erworben habe auszuführen“. es ist frustrierend und ärgert mich zunehmend.

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

ach viele. einige habe ich ja schon angesprochen. mit am schlimmsten finde ich allerdings, dass einer gerne und oft suggeriert wird, es, egal wie aber auf jeden fall, falsch zu machen und die erwartungen sowieso nicht erfüllen zu können, ganz gleich ob sie diese überhaupt erfüllen will oder nicht.

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So geht schwanger werden

“mamaaa, ich habe das baby gegessen!”

“bitte was???”

“und dann ist mein bauch dicker geworden!”

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Der große Bruder…

…geht jetzt ohne windel in den kindergarten

…duldet, dass mama grade wenig zeit für ihn hat

…schläft ohne flasche ein

…geht manchmal* sogar freiwillig in SEIN bett     (*einmal)

…putzt sich jetzt mit der lauten (=elektrischen) zahnbürste die zähne

…liebt seinen kleinen bruder abgöttisch, streichelt ihn, küsst ihn - 

…nur seine schnuffeltücher teilt er nicht

 

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Die ersten Tage…

versunken in der baby-bubble. die geburt, die längst nicht so verlief wie erhofft und sich doch selbstbestimmter anfühlte. der weg in die hölle ist bestimmt gepflastert mit stundenlangen presswehen die frau “veratmen” muss. der weg in den himmel dagegen ist voller engelslächeln, babyschmatzen und diesem flaumigen köpfchen. versunken in 50shades of gebärmutterfarben. rosa in allen schattierungen.

weil das gefühl der überforderung diesmal ausblieb blieb soooo viel mehr zeit und raum für hachz und herz und dankbarkeit und demut. 

über sich selber lachen, weil man fürchtete, da sei vielleicht nicht mehr genug liebe für nummer zwei. 

ständig weinen können, vor rührung, freude, glück. sich selber wundern wie weich mensch wird, wie das eigene herz zerspringen könnte vor all dem gefühlsoverkill. und wie es fast zerreißt beim gedanken an die freund_innen und bekannte (gott sei dank wenige), deren kinder wohl nie erwachsen werden…

wie der dreijährige das erste mal das krankenhauszimmer betritt. der, den ich hier minime nenne und der so gar nicht mehr mini ist. der noch nicht weiß, was er von all dem halten soll. der sich so rührend um sein geschwisterchen kümmert, seine schnuffeltücher teilt und dreckige windeln in den müll trägt. der allen stolz verkündet, dass das da im kinderwagen SEIN geschwisterchen ist. und der in momenten, in denen er sich unbeaufsichtigt fühlt doch mal traurig guckt, als ahnte er, dass ihm nun nicht mehr die volle aufmerksamkeit zuteil wird. 

cashew…dieses baby das so tiefenentspannt liegt, schläft, trinkt und guckt. dass sich schon selber vom rücken auf die seite rudert und mit seinen kleinen händchen den schnuller fest in seinen mund schiebt. nicht umhin können, mit dem großen bruder zu vergleichen und fest stellen, wie einzigartig diese ausgabe jetzt schon ist.

danke für alle off- und online, die sich mit uns freuen, besonders bedanken möchte ich mich bei meinen twitter- und facebookfollowern, die fast 30 wochen mit mir gefiebert haben, sich gefreut und mich aufgemuntert haben und überhaupt: danke fürs zuhören. 

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#Cashew

03.06.14
auch das zweite mal ist einzigartig!

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Feminismus und Mutterschaft 7: Selbstverwirklichung und Muttersein schließen sich nicht aus

Dein Name (egal ob klarname, pseudonym, blog…)

Sabine

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Ich bin 37 Jahre alt und habe einen inzwischen fast vierjährigen Sohn. Hätte man mich mit 30 gefragt, ob ich Kinder möchte, hätte ich mit NEIN geantwortet. Irgendwann kam das Thema Kinder zwischen meinem fast 13 Jahre älteren Mann und mir dann aber doch auf. Er hatte bereits einen fast erwachsenen Sohn aus einer früheren Beziehung und hatte für sich das Thema eigentlich auch ad acta gelegt. Da wir versuchen, ein bewusstes Leben zu führen und offen für alles zu sein, haben wir uns lange über das Kinderkriegen Gedanken gemacht und waren uns irgendwann einig, uns auf das Abenteuer einzulassen. Es war eine sehr bewusste Entscheidung, die wir, obwohl es eine ganze Weile gedauert hat, bis es geklappt hat, nie in Frage gestellt haben. Letztendlich war für mich der Zeitpunkt auch beruflich richtig (gut funktionierende Selbstständigkeit, aber auch der Wunsch nach Veränderung) und wir sind der Herausforderung Kind aus einem ausgefüllten, gefestigten Leben heraus begegnet.

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Mein Mann arbeitet Vollzeit in einer Führungsposition und ist dementsprechend zeitlich sehr gebunden. Er ist oft traurig, dass er nur wenig Zeit mit seinem Sohn verbringen kann, nutzt aber dafür die Zeit mit ihm bewusst und intensiv. Morgens nimmt er sich Zeit zum Spielen und Frühstücken und fährt ihn anschließend zur Tagesmutter (bald Kindergarten). Abends ist er meist gegen 19 Uhr zu Hause und die letzte Stunde vor dem Zubettgehen sowie das Abendritual mit Zähneputzen, Umziehen, Vorlesen, Kuscheln etc. ist in der Regel Papas Job. Auch am Wochenende unternehmen die Herren gerne mal etwas alleine. Was Erziehungsfragen, Entscheidungen etc angeht, sind wir uns meist einig und immer im Dialog. Ich finde, mein Mann ist ein toller Vater.

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Mein Mann verdient als in Vollzeitangestellter deutlich mehr als ich, was für uns aber nie ein Thema war. Wir haben ein gemeinsames Konto, auf das alle Einnahmen fließen und auf das jeder uneingeschränkt zugreifen kann. Zusätzlich haben mein Mann und ich jeder ein eigenes „Taschengeldkonto“, auf das jeder von uns jeden Monat den gleichen Betrag überwiesen bekommt und mit dem jeder tun und lassen kann, was er mag. Irgendwie sind diese Konten vor allem ein Symbol für unsere individuelle Unabhängigkeit und wir behalten es bei aus eher nostalgischen Gründen. Mein Mann bezahlt damit meistens unsere Weinbestellungen und ich unsere Urlaubsflüge ;-), also fließt das meiste sowieso zurück in den Familienkreislauf.

Ansonsten teilen wir die private Arbeit (Hausarbeit, Sorgearbeit, Buchhaltung etc.) wie es eben geht: Jeder packt an wie und wo es möglich ist. Er bringt den Müll weg, ich wasche die Wäsche und mache die Buchhaltung, jeder räumt mal auf. Fürs Grobe leisten wir uns eine Putzhilfe. Der samstägliche Großeinkauf war schon vor unserem Sohn eine für uns schöne, gemeinsame Unternehmung – jetzt sind wir dabei eben zu dritt.

In meiner Selbstständigkeit bin ich zeitlich mal mehr, mal weniger beansprucht. Mein Sohn geht, seit er etwas über ein Jahr alt war, zur Tagesmutter, derzeit 25 Stunden in der Woche. Diese Zeit ist meine Arbeitszeit. In Zeiten mit höherer Arbeitsbelastung habe ich sehr nette Schwiegereltern in der Nähe, die bereits in Rente und somit zeitlich flexibel sind – sowohl tagsüber als auch abends -, was mir, und auch uns als Paar, wunderbare Freiräume schafft.

Da ich (im Schnitt) weniger Stunden im Job arbeite, verbringe ich (im Schnitt) auch etwas mehr Zeit mit Haus- und Sorgearbeit als mein Mann.

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, Mutter zu werden. Ich war gerne schwanger, ich habe gerne und sehr lange gestillt, ich liebe meinen Sohn von ganzem Herzen und bin immer wieder begeistert, diesen kleinen Menschen heranwachsen zu sehen.

Das Muttersein jedoch ist auch nur ein Aspekt meiner Persönlichkeit. Ein wichtiger. Ein zeitaufwändiger. Ein schöner. Aber eben nur ein Aspekt von vielen. Es ist ein Aspekt, der dazugekommen ist, zu den vielen anderen, die schon da waren und auch durch das Mutter werden trotzdem geblieben sind.

Als mein Sohn gerade acht Wochen alt war, habe ich meinen ersten Kundenauftrag abgewickelt. Zu einem wichtigen Geschäftstermin ist mein Mann mitgefahren. Ich habe meinen Sohn noch mal im Auto gestillt, bin dann zum Termin, während mein Mann mit meinem Sohn spazieren gegangen ist. Für mich schließen sich Selbstverwirklichung und Muttersein nicht aus. Natürlich müssen dafür die inneren und äußeren Voraussetzungen gegeben sein.

Nur, weil ich Mutter geworden bin, hat sich mein Verständnis von Feminismus, von Selbstverwirklichung und Selbstständigkeit, meine Ziele und Wünsche nicht verändert. Verändert hat sich die Organisation des Alltags, der Tagesablauf, der Wert von Zeit.

Seit ich Mutter bin, bin ich zielgerichteter geworden, verdödel nicht mehr so viel Zeit mit Nichtigkeiten. Ich nutze meine Zeit intensiver: Bin intensiver im Job, pflege leidenschaftlich meine Hobbies, genieße bewusst die Zeit mit meinem Kind und meinem Mann – und auch gerne mal alleine.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-Sein” leben zu können?

Ich bin mehr als glücklich mit meinem Dasein als Frau und Mutter, da ich das Glück habe, für mich perfekte Rahmenbedingungen zu haben: Eine funktionierende, gleichberechtigte Partnerschaft und ein sehr unterstützendes Umfeld, genügend finanzielle Mittel, eine gut funktionierende Selbstständigkeit, die mir ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität ermöglicht, gute, flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Tagesmutter, KiTa, Großeltern) und nicht zuletzt ein hohes Maß an Gelassenheit.

Ich weiß, dass es viele Mütter und Familien nicht so leicht haben, wie ich/wir es habe/n. Meiner Meinung fehlt es vor allem an flexiblen Arbeitgebern und Arbeitszeitenmodellen, guter, sicherer und zuverlässiger Kinderbetreuung, einem generell offeneren Klima in der Gesellschaft (mehr Kinderfreundlichkeit, mehr Mütterfreundlichkeit, mehr Familienfreundlichkeit).

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Das Thema Rollenvorbild – sowohl auf männlicher als auch auf weiblicher Seite – ist für mich sehr spannend. Als Kind hatte ich lediglich „negative“ weibliche Rollenvorbilder, es gab keine Frau in meinem Umfeld, die für mich als Vorbild getaugt hätte. Natürlich bin ich deshalb besonders sensibel für das Thema männliches Rollenvorbild für meinen Sohn. Ich habe das Glück, dass sowohl mein Mann als auch mein Vater meiner Meinung nach gute Vorbilder sind.

Sowohl ich als auch mein Mann sind äußerst liberal, was andere Lebensentwürfe angeht, wir engagieren uns ehrenamtlich und künstlerisch, sind offen für neue Erfahrungen und Bekanntschaften, haben einen großen, bunten Freundes- und Bekanntenkreis und hoffen, dass unsere Art zu leben, zu diskutieren, zu handeln, zu lieben ein gutes Vorbild für unseren Sohn ist. Für mich heißt es nicht Erziehung, sondern Beziehung.

Was Kleidung und Spielzeug angeht, darf er selbst entscheiden, was ihm gefällt: Er besitzt sowohl „weibliches“ als auch „männliches“ Spielzeug und Bücher. Er spielt gerne mal wild, liest aber auch gerne mal ganz in Ruhe ein Buch, er spielt viel mit Mädchen und ist insgesamt nicht ganz so stürmisch wie viele andere Jungs in seinem Alter. Ich freue mich über seine Eigenheiten, seine Einzigartigkeit und lasse ihn sein, wie er ist.

Ich bin gespannt, wie es im Herbst in unserem katholischen Landkindergarten wird, welche Einflüsse, Ansichten, Überzeugungen dort herrschen und wie wir damit ungehen werden.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

Ich lebe in der bayerischen Provinz, in der mein Mann und ich ohnehin (als Zugezogene) ein wenig als Exoten gelten. Die meisten Frauen mit Kleinkindern in meinem Umfeld leben in meist traditioneller Rollenverteilung, meine Freundinnen mit älteren oder erwachsenen Kindern leben oft emanzipierter. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Frauen mit dem klassichen Rollenmodell unglücklich mit ihrem Lebensentwurf wären. Ebenso fühle ich mich gefestigt, was meine Art zu Leben angeht. Ich versuche, andere Frauen zu unterstützen, wo ich kann, wenn es gewünscht ist – mit einem offenen Ohr oder Rat und Tat und finde auf der anderen Seite auch immer ein offenes Ohr, wenn ich mal eins brauche.

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ich mag meine Arbeit. Ich freue mich, dass ich – finanziell und ideell – erfolgreich bin, mit etwas, das ich gut kann und (meistens) auch gerne mache. Mir war es schon immer wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen und das Gefühl zu haben, selbst für mich sorgen zu können.

Ebenso wichtig ist es für mich, Tätigkeiten zu haben, die mich ausfüllen, wo mir allein die Tätigkeit Belohnung genug ist. Ich habe das Glück, zusätzlich zu meiner Erwerbsarbeit zwei Herzenshobbys zu haben, die mich sehr glücklich machen und die sich inzwischen sogar selbst finanzieren.

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Ehrlich gesagt ist es mir inzwischen ziemlich egal, was die „Gesellschaft“ (sei es die große, allgemeine oder die ganz spezielle) von mir erwartet. Ich habe lange Jahre damit verbracht, mich zwischen Erwartungen, die meine Eltern, meine Freunde oder die „Gesellschaft“ an mich hatten, aufzureiben – so sehr, dass ich mit Mitte 20 in einer tiefen Depression steckte und gar nicht wusste, was ICH eigentlich will.

Inzwischen kann ich die Erwartungen anderer gut dort lassen, wo sie hingehören: Beim anderen! Ich versuche, so zu leben, wie ich es für richtig halte und andere so leben zu lassen, wie sie es gerne möchten. Ich denke, es ist vielleicht meine Gelassenheit diesbezüglich die dazu führt, dass inzwischen viele Frauen meinen Rat suchen. Mein Mann sagt immer, dass ich ein gutes Rolemodel für andere Frauen bin. Ich bin stolz, dass er so über mich denkt und möchte zumindest dieser einen “Erwartung” gerne gerecht werden ;-)

Was ich persönlich sehr schade finde, ist, dass sich manche Frauen gegenseitig das Leben schwer machen, in dem sie ihren persönlichen Lebensentwurf oder die persönliche Meinung als allgemeingültige Wahrheit darstellen, sich gegenseitig anfeinden für unterschiedliche Ansichten oder Entscheidungen. Ich kenne viele, vor allem jüngere Mütter, die sich nachhaltig von anderen Frauen verunsichern lassen und sehr darunter leiden.

Ich wünsche mir eine größere Solidarität unter Frauen, eine größere Akzeptanz von unterschiedlichen Lebensentwürfen und mehr Offenheit für die Andersartigkeit eines jeden einzelnen. Ich bin dankbar, dass ich in meinem Umfeld viele offene, tolerante Menschen habe und hoffe, selbst etwas dazu beitragen zu können, dass die Menschen sich immer mehr und besser unterstützen. Und ich hoffe, diesen Samen auch in der Beziehung zu meinem Sohn pflanzen zu können.

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Feminismus und Mutterschaft 6: Zwischen Job und Kind zerrissen?

Dein Name

Christina vom Familienreiseblog „Reisemeisterei“

Hast Du (eigene, adoptierte, zu pflegende…) Kind(er), möchtest Du welche, hast Du Dich bewusst dafür/dagegen entschieden, welche Voraussetzungen bräuchtest Du um Kinder bekommen zu können/wollen?

Mein Mann Sven und ich dürfen eine eigene Tochter von fast 2 Jahren zu unserer Familie zählen. Voraussetzung war, dass zumindest einer in einer gefestigten beruflichen Position steht. In diesem Fall waren das sogar dankbarerweise beide.

Spielt der leibliche Vater eine Rolle? Oder anders: welche Rolle spielt er (für Dich/für die Kinder)?

Sven spielt eine sehr große Rolle für mich und unsere Tochter. Aufgrund eines Rechtsstreits mit seinem früheren Arbeitgeber war er gezwungen, länger nicht zu arbeiten. Das hat ihm die einmalige Chance gegeben, Vollzeit für seine Tochter da zu sein und das Zusammensein mit ihr zu genießen. Ich denke vor allem dadurch haben die beiden ein sehr enges Verhältnis zueinander. Wir haben fast 9 Monate zu dritt verbracht, bis ich wieder in meinen Beruf eingestiegen bin.

Teilst Du Dir die Sorgearbeit fürs Kind mit jemandem? Wie? Und wie wäre es Dir am Liebsten?

Die Kita und ich teilen uns tagsüber die Sorgearbeit. Einmal in der Woche ist „Oma-Nachmittag“ und Am Wochenende und abends teilen Sven und ich uns die Erziehung. Wobei er gefühlt den größeren Anteil trägt. Mein Familienreiseblog braucht mich als zweites „Baby“ schließlich auch noch. Und ich den Blog auch ;-) Ich fühle mich oft zwischen Job und Kind zerrissen. Am liebsten wäre ich später wieder in den Beruf eingestiegen. Das habe ich allerdings erst feststellen können, als es soweit war. Der Blog ist eher Ausgleich und Leidenschaft, obwohl ich ihn als Gewerbe und halb-professionell betreibe. Schreiben, posten, reisen! Das geht immer!

Wenn Du in einer Partnerschaft lebst: Wie teilst Du Dir Lohn- und Sorgearbeit? Gab es dazu “Verhandlungen”? Was waren die Gründe für Eure Arbeitsteilung?

Mein Mann arbeitet 100% und ich 50%. Wobei ich insgesamt mit Blog-„arbeit“ auch 100% erreiche. Das dann aber eher abends und am Wochenende. Wir haben offen mögliche Konstellationen abgewogen. Die Tatsache, dass ich beruflich am „Ende der Fahnenstange“ angekommen bin und mein Mann auf ähnlichem Gehalts- und Positionsniveau noch Luft „nach oben“ hat, hat uns die Entscheidung leicht gemacht. Zudem arbeitet er mit wesentlich mehr persönlicher Leidenschaft…

Was bedeutet für Dich Mutterschaft? Steht diese Bedeutung für Dich in einem Konflikt zu Deinem Feminismus-Verständnis?

Meine Einstellung früher: Alles komplett gerecht teilen. Erwerbsarbeit, Erziehungsarbeit, Hausarbeit. Und dann kommt dieses kleine Geschöpf zu uns und die Hormone sprudeln nur so. Feminismus bedeutet für mich auch: Mich nicht abhängig zu machen. Das kann heißen, beispielsweise seine Rente im Blick zu behalten und den Mutter-bedingten Ausfall durch eine private Rente auszugleichen. Oder: Durch den Blog eine berufliche Seite zu leben, die in Vollzeit nicht möglich wäre.

Was braucht es Deiner Meinung nach, um feministische Mutterschaft zu leben? Welche Rahmenbedingungen bräuchtest Du, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, um Deine Vision vom “guten Mutter- und Feministin-SEin” leben zu können?

Ich bräuchte einfach 48 Stunden pro Tag. Oder eine gerechte Berentung für die Kindererziehung. Es ist einfach (für mich!) nicht möglich, sowohl im Beruf als auch in der Kindererziehung jeweils 100% zu geben und damit jeweils den Vollzeitmüttern und Vollzeitarbeitenden auf gleicher Augenhöhe in Bezug auf die „Leistung“ gegenüber zu stehen. Beispiel: Mit 50% kann ich beruflich keine ganztägigen Seminare mehr leiten oder bei weit entfernten Terminen bis in den Abend hinein mein Bestes geben. Genauso habe ich weniger Kapazitäten für Singgruppen, basteln, Erziehungsratgeber wälzen, schöne Kleidung auswählen. Das fühlt sich oft ziemlich zerrissen an, weil ich überall erfolgreich sein möchte.

Was bedeutet Dein Feministin-Sein für die Erziehung Deines_r Kind_er? (z.B. Vorbilder suchen, was für Stereotype ans Kind herangetragen werden, Kleider-/Spielzeugwahl)

Nach der Geburt unserer Tochter habe ich mich beispielsweise geweigert, Ihr rosa Kleidung anzuziehen. Dies ganz bewusst nicht zu tun, ist allerdings genauso stereotyp, denke ich inzwischen. Wir versuchen, Ihr nun einfach offen Dinge anzubieten. Das Traktorbuch steht neben dem rosa Kinderklavier. Sie wählt und soll ihren eigenen Weg finden.

Hast Du andere Mütter in Deinem Umfeld, die was mit Feminismus anfangen können? Wo holst Du Dir Unterstützung?

Manche Mütter in meiner Umgebung machen mir etwas Angst mit ihrer Auslegung der Gleichberechtigung. Für beispielsweise Vollzeitarbeit 8 Wochen nach der Geburt bin ich wohl nicht gestrickt. Irgendwie setzt es mich auch unter Druck, nicht „tough“ genug zu sein. Andere Mütter wiederum haben nach vielen Jahren der Elternarbeit keine private Rente und vielleicht auch keine Chance für einen beruflichen Einstieg. Einige Mütter beeindrucken mich allerdings, wie sie kreative Wege finden, Muttersein und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Und wenn es mit einer Tätigkeit von zuhause ist. Nähen, Schreiben, Gründung eines kleinen Unternehmens, beruflicher Aufbau. Meine eigene Mutter unterstützt mich sehr auf meinem Weg, ebenso mein Mann und seine Mutter. Das gibt mir Sicherheit.

Welche Bedeutung hat Erwerbsarbeit für Dich?

Ausgleich zur Elternarbeit. Unabhängigkeit. Sicherung meiner Rente. Nutzung meiner beruflichen Ausbildung. NICHT: „Rauskommen“.

Welche Konflikte/Spannungen spürst Du zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Deinem Verständnis von Feminismus und Mutterschaft?

Die Frage ist: Hat die Gesellschaft die Erwartungen oder ich? Wer ist die Gesellschaft? Mein Arbeitgeber? Der möchte, dass ich pünktlich erscheine und hochkonzentriert arbeite, auch wenn meine Tochter in der Kita gebockt hat oder die Nacht schrecklich war. Andere Mütter? Die sind häufig ebenso verunsichert in ihren Modellen. Ich spüre die Spannung, dass ich von Rolle zu Rolle springe, je nachdem, wo ich mich gerade befinde. Und meine Kapazität einfach manchmal nicht ausreicht, um alles von Impfterminen bis hin zu Gesetzestexten, Jahrestagen und Einkaufslisten, Finanzplanung, gesunder Kinderernährung und Haushalt zu jonglieren.

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