Analoge Phase

alaaf ihr pappnasen! meine lange abwesenheit von diesem ort hatte keinen nennenswerten grund – ich habe schlichtweg wenig zeit im internet verbracht. und wenn dann die möglichkeiten meiner facebook-seite genutzt, kurz mal laut zu geben. es ist mit dem bloggen ähnlich wie mit sport: je länger man es nicht tut, desto größer ist dann die überwindung, wieder loszulegen. oder so. hier also ein kleines update:

job: auf einer konferenz gewesen mit vielen tollen feministinnen. im ausland, wo sonne scheint. ein bisschen urlaub vorgeschoben, eine woche ohne minime. die atmosphäre auf der konferenz hat mich ein bisschen für den frust der letzten wochen entschädigt. trotzdem bin ich unsicher, ob ich im wissenschaftssystem bleibe. grade der unmittelbare vergleich der jobsituation von mittelbauleuten hier und in den usa war erschreckend. nicht, dass dort alles friedefreudeeierkuchen wäre. aber ein bisschen rosiger. vielleicht.

Konferenz

minime: steht, trippelt an der hand, nur mit dem hinsetzen klappt es noch nicht so gut – da wird schlicht geweint, wenn das stehen zu anstrengend wird. lacht und jauchzt. nimmt alles auseinander, was er in die hände bekommt. räumt alles aus aber nicht wieder ein. am liebsten die spülmaschine. sammelt blaue flecken. ist gerne in gesellschaft, unter leuten kann er sich auch prima alleine beschäftigen. darum wieder ein plädoyer: mehr öffentlicher raum! es gibt hier einige ‘kindercafes’, und wir genießen es dort sehr – ein paar kinder sitzen immer in der spielecke, es gibt spielsachen für alle altersgruppen und als eltern können wir in ruhe kaffee trinken. aber das geht natürlich ins geld. wir brauchen ja nicht viel – nur platz zum spielen und abhängen mit anderen. kinderbetreuung immer noch nicht gesichert. haben ja auch noch 6 wochen…tageseltern in köln haben es scheinbar nicht nötig, vollzeit zu arbeiten (und wer kann es ihnen verübeln, ich habe verständnis für alle, die tagsüber mit kindern arbeiten, dass man das nicht länger macht, als für die gesundheit erträglich). kita-plätze sind mit geschwisterkindern voll. und von der zweiklassengesellschaft, die sich da auftut, will ich mal nicht reden: eine städtische kita wäre relaitv günstig zu haben. die privaten sind da sehr unterschiedlich. und tagesmütter fast unbezahlbar. wer geht da wohl arbeiten und wer bleibt zu hause, weil man ja das verdiente geld nicht direkt ner tagesmutter weiter geben will? statt studienproteste (500 euro im semester) elternproteste! (500 euro pro monat sind da noch günstig) wer macht mit?

minime und sein lieblingsspielzeug

me: auf und abs. versuche immer, im jetzt zu leben, nicht zu viel an zukunft zu denken. nicht weil ich da pessimistisch drein blicke, sondern weil mir das ungewisse grade nicht passt. eigentlich ein sehr unüblicher charakterzug meinerseits. geglückt: wieder fast regelmäßig klettern gehen, minime inklusive. mit mehreren leuten ist das echt kein problem, wer pause hat, kümmert sich mal ein paar minuten ums kind. war ein riesenspass. schön, dass das alte leben nicht auf der strecke bleibt. urlaub in sicht.

selbermachen: in sachen häkeleien geht es gut voran. inzwischen kann ich sogar muster. die werden zu granny squares und die dann zu den unterschiedlichsten sachen. in der vorstufe sieht das dann so aus:

ach, und in meinem dawandashop kann man jetzt meine kinderwagenketten auch käuflich erwerben:

Kinderwagenkette

nix neues: was dieses projekt angeht war ich sehr undiszipliniert. aber habe auch etwas – vermutlich recht – banales fest gestellt: das meiste geld gebe ich nicht für dinge aus, die hinterher im schrank, in der wohnung oder sonstwo stehen. sondern für alles, was ‘fließt’: essen und trinken unterwegs, erlebnisse, (fort)bildung, reisen usw. dinge, an denen ich auch am wenigsten sparen will. klamotten habe ich mir in der zeit nicht gekauft, habe ich doch den ehrgeiz, mir den nächsten pulli selber zu machen…ach ja, etwas was ich mir für den fall merken muss: damit, eine mütze oder einen schal zu machen, wenn es schon kalt ist, macht wenig sinn. ist dann eher im sommer fertig. also arbeite ich jetzt antizyklisch.

soo, jetzt möchte minime die reisszwecken auskippen, ich bin dann mal wech

 

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Genetische Mischung

es gibt bestimmt viele gute gründe, um kinder zu bekommen. und es gibt die neugier darauf, wie die mischung von ihm und mir wohl aussehen würde. während der schwangerschaft haben wir oft gerätselt: welche augenfarbe wird es haben? meine hände oder seine? wird es linkshänder, wie wir beide?

immerhin kann der mann nicht leugnen, der vater zu sein. dass sagen zumindest viele. die ähnlichkeit ist kaum zu übersehen. damit muss ich leben. aber man guckt sich ja auch ständig sein baby an, ich sehe also viel besser als ihr, wo minime wem ähnlich sieht:

- die stirn hat er von mir! eine hohe stirn. allerdings soll das bei babies ja dazugehören wie die vollen windeln. kindchenschema heißt das wohl…

- die augenfarbe ist – yeah! – von mir. dunkles sturmgraublau. oder so. und da hat sich seit dem ersten tag nix dran geändert, obwohl alle immer meinten: die augenfarbe ändert sich aber noch. pah. obwohl sich zwischendrin kleine braune punkte eingeschlichen haben…aber nur ganz kleine!

- die augenform ist, wie vom mann, mandelförmig – nach außen spitz zulaufend. mag ich.

- bei den augenbrauen war minime sich unschlüssig: die rechte ist vom mann, die linke von mir.

- ohren und füße scheinen von mir zu sein. mit etwas glück die hände auch *duck*

nur von wem er die haare hat – da rätseln wir noch.

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Entdeckungstour

so, bevor ich euch mit meinem selbstreferentiellen gejammer vergraule – hier ein kleines minime-update:

würde ich den einen oder anderen ratgeber aufschlagen, stünde da vermutlich, dass mein sohn wieder einen wachstumsschub gemacht hat oder eine entwicklungsphase hinter sich. ich brauch nicht in dieses buch zu gucken, denn das sehe ich auch so: minime scheint die welt ganz anders, viel bewusster war zu nehmen.  wie er alles mustert, was er sieht (bevor er es sich dann in den mund schiebt) ist wirklich faszinierend. manchmal hab ich das gefühl, er hört einer auch sehr aufmerksam zu – und antwortet. also in babysprache, selbstredend. auch praktisch: wenn man ihn jetzt auf den boden setzt oder legt, moppert er nicht mehr so viel. sein bewegungsspielraum ist inzwischen groß genug, er geht direkt auf entdeckungstour. und robbt natürlich zielstrebig auf alles zu, was kinderungeeignet ist. kabel stehen ganz oben auf den ihn interessierenden gegenständen. und davon gibt es in diesem haushalt eine menge! herzerwärmend: wenn einer von uns den raum verlässt, robbt minime hinterher und guckt um die ecke. wenn man dann zurück kommt, strahlt er einen an, als hätte er gezaubert, dass man zurück kommt. die anderen muttis und ich haben schon überlegt, wie man diese neue fortbewegungsmethode haushaltsfreundlich nutzen kann. so mit stramplern aus microfaser – dann übernehmen die kleine die notwendige grundreinigung direkt mit. es ist nämlich unglaublich, mit welcher begeisterung die jeden flusen in den mund stecken. zwar bin ich da überhaupt nicht pingelig, aber nachdem ich minime neulich mit den fingern den mund säubern musste, weil grün-braunes zeug aus seinem mundwinkel hing (stellte sich als tannennadeln heraus) bin ich etwas vorsichtig…

beim Schubladenausräumen

Messer, Gabel, Löffel - alles durcheinander!

auch neu: er schläft jetzt nur noch mit schnuffeltuch ein. sooooo niedlich!

einzig und allein die nächte bleiben anstrengend. das betrifft zwar in erster linie den mann, der die nachtdienste macht, aber wach werde ich auch oft genug. und brauche in meiner momentanen grübelsituation oft lange um wieder einzuschlafen. und dann frag ich mich oft, was das tolle sein soll, an diesem viel gepriesenen modell a la frankreich, wo beide elternteile nach acht wochen wieder vollzeit arbeiten gehen, weil die tagsüber-kinderbetreuung so toll ist. ach, und wer steht nachts auf und kümmert sich? was soll bitteschön so toll daran sein, nach acht wochen so zu tun, als sei die welt nicht für einen moment stehen geblieben? eltern brauchen eine menge energie, ich möchte gar nicht wissen, wie hier das leben aussähe, wenn wir beide vollzeit arbeiten gingen. wir hätten uns wohl im affekt mitten in der nacht alle gegenseitig die gurgel umgedreht…jaja, es ist nur eine phase und irgendwann schläft er – hoff ich doch! – durch! vielleicht wird dann das jamnern generell hier auf diesem blog weniger. in irgendeinem artikel zur glücksforschung (auf zeit online?) hab ich nämlich gelesen, dass ausreichend schlaf ein elementarer bestandteil von glück ist. unterschreibe ich sofort.

so, zum abschluss möchte ich euch noch auf einen blog aufmerksam machen, der neu in meiner blogrolle ist:

babykram & kinderkacke. und auf den tollen shop einer freundin, mit deren strampelsäckchen und hosen minime natürlich ausgestattet wurde: razzieKidz. sobald die designerin aus ihrem urlaub wieder da ist, solltet ihr dort kräftig einkaufen :-D

p.s.: hilfreiche tipps für durchschlafende babies werden gerne angenommen und getestet…

 

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Entschleunigung & Entspannung

das sind meine hauptvorsätze 2012. wie wichtig die wohl sind, seh ich an den letzten zwei wochen: heiligabend die magen-darm-geschichte, die sich abgeschwächt bis sylvester zog. seit gestern dann kratzen im hals und husten, was bei mir meistens die ersten anzeichen einer fetten erkältung sind. krank werden, wenn eigentlich mal zeit zur erholung wäre? hab ich keinen bock mehr drauf.

generell verschieben sich grade die prioritäten. ich suche einen job, der sicherheit und angemessene bezahlung bietet und dazu möglichst in der gleichen stadt ist, in der ich auch wohne. weg von der selbstausbeuterischen ‘flexibel und mobil genug, dann gibts auch mal den traumjob’-haltung. und da ich eh noch mind. 35 jahre arbeiten muss, muss es ja nicht sofort der traumjob sein. ach, hätt mir das mal jemand vor zwei jahren gesagt, dass ich pragmatisch werde. traurig finde ich das selbst fast gar nicht, und empfinde es auch nicht mehr als scheitern. ich merke einfach, wie mich die unsicherheit in meinem jetzigen job lähmt. zukunft planen ist da kaum möglich. mit mitte 20 ist das ok aber mit kind? danke, nicht für mich. vorerst, denn wer mich kennt weiß, dass ich viel zu hibbelig bin um an der gleichen stelle zu treten. aber ein paar jahre fänd ich das grade sehr attraktiv. und dann kann ich mich kopf- und herzmäßig auch wieder den schönen sachen im leben widmen. das ist mein ziel 2012, und ich hoffe, dass sich in der ersten jahreshälfte was ergiebt – drückt mir die daumen!

ja, vieles von meinem prioritätenwechsel ist bestimmt minimes ‘schuld’. aber im positiven sinne. und, gab es bei euch einen prioritätenwechsel, als das kind da war? oder fangt ihr, die ihr ältere kinder habt, nochmal anders an? zukunft, du undurchschaubares wesen…

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Metamorphose – Jahresrückblick (2011)

das wäre für mich die zusammenfassung von 2011 in einem wort. von melanie zu mutter. von ich will unbedingt in der wissenschaft arbeiten, am besten mal als Prof. Dr. hin zu – aber nur, wenn die rahmenbedingungen stimmen (also wohl eher nicht). von die ganze welt auf einmal entdecken – zu: verschnaufen, pause machen, ankommen. ob dabei am ende auch eine sichtbare umwandlung statt findet, wie von der raupe zum schmetterling – naja.

2011:

geglückt: kind bekommen, elternzeit gemacht, eine handvoll bücher gelesen, die beziehung, neue freund_innen, gebloggt und tolle bloggerinnen kennen gelernt, aufsätze geschrieben, einen vortrag gehalten, zurück in den beruf, abgrenzung gelernt (naja, bin noch dabei), häkeln gelernt, musik gemacht (ein bisschen), mehr und mehr vegan gegessen, wieder klettern gewesen…

gescheitert: einen gang runter schalten, sofort vegan zu werden, gelassenheit, innere ruhe…

womit wir mehr oder minder schon bei meinen vorsätzen für 2012 sind. das ist ja immer so eine sache mit den vorsätzen. aber ich bin das auch immer falsch angegangen: jedesmal das gleiche – mehr selbstdisziplin, weniger essen, mehr mehr mehr. 2012 heisst es: weniger ist mehr! weniger stress, weniger hektik.

wäre meine jobsituation nicht so unsicher, würde ich 2012 ziemlich optimistisch entgegenblicken. denn eigentlich bin ich sehr zufrieden, oft glücklich. dass sag ich dem mann auch mindestens alle zwei tage. ihr hört davon nicht ganz so viel…aber nur weil ich glücklich bin, heisst das ja nicht, dass immer alles gut ist :-D

für 2012 wünsche ich mir eigentlich nur: dass alle meine lieben gesund bleiben (oder werden), und meine berufliche situation mal etwas entspannter wird. ankommen im jetzt eben.

und euch wünsche ich ein gesundes, erfolgreiches und aufregendes (im positiven sinne!) 2012!

ZUSAMMENGEFASST

1. Zugenommen oder abgenommen?

einfach – am anfang war das kind noch drin, jetzt ist es draussen = weniger.

2. Haare länger oder kürzer?

gleich

4. Mehr Kohle oder weniger?

dank elterngeld – weniger.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?

hmm, vor der nebenkostenabrechnung? weniger.

6. Mehr bewegt oder weniger?

bewegt im sinne von welt bewegt? mehr! körperlich? hm. hm.

7. Der hirnrissigste Plan?

zu glauben, arbeiten, promovieren und chronischer schlafmangel seien eine easy machbare kombi.

8. Die gefährlichste Unternehmung?

aufbackbrot essen obwohl es sauer riecht.

9. Der beste Sex?

überhaupt welchen!

10. Die teuerste Anschaffung?

das kind?

11. Das leckerste Essen?

poffertjes in holland.

12. Das beeindruckendste Buch?

bin ich überfragt. zum lesen kam ich kaum.

13. Der ergreifendste Film?

hm, habe keinen guten zu ende geguckt…

14. Die beste CD?

auch hier viel zu wenig erlebt…

15. Das schönste Konzert?

s.o.

16. Die meiste Zeit verbracht mit …?

Minime. Selbstzweifeln. Zukunftssorgen

17. Die schönste Zeit verbracht mit …?

minime und dem mann

18. Vorherrschendes Gefühl 2011?

cut, bitte.

19. 2011 zum ersten Mal getan?

kind kriegen, jm. die stirn bieten

20. 2011 nach langer Zeit wieder getan?

klettern!

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

kaiserschnitt, jobstress, den magendarmvirus (falls es einer war) am jahresende.

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

vegan werden ist nicht doof

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

ach…

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

der adventskalender vom mann

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

na, was wohl?

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

na, was wohl?

27. 2011 war mit einem Wort …? 

metamorphosig!

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Ein Weihnachtsmärchen

es waren einmal vater, mutter, kind. weihnachten stand vor der tür. und damit hört das heteronormative* märchen auch schon auf.

am 22. trat kollektive erschöpfung auf. nach dem letzten, echt langen bürotag mit echt langer zugfahrt hin und zurück wollte ich einfach nur abhängen. aber da war ja noch das kind. das konnte ich nachmittags gg. fünf immerhin noch zu einem zweiten mittagsschläfchen überreden. großer fehler! minime war nach diesem nickerchen so erholt, dass er erst gg. mitternacht wieder ermüdete.

der 23. begann friedlich. letzte dienstbesprechung mit einer meiner chefinnen, letzte änderungen an einem mailing für die andere. minime hat durchfall. ich rette mich raus, weil ich einen friseurtermin habe, der bestimmt laaange dauert, weil mit farbe. mittendrin eine nachricht vom mann: wir müssen ausziehen, hier ist alles voller sch***sse, teppiche, handtücher, anziehsachen sind alle in der wäsche. und wir haben keinen trockner. kind geht schlafen, wir essen, gehen ins bett. nachts um zwei wache ich mit einem unguten gefühl auf. eines, dass ich nicht kenne. sorgen? angstattacke? magengrummel! ich singe der kloschüssel ein, zwei weihnachtslieder vor und hoffe, sie damit abgeschreckt zu haben. aber die schüssel möchte mehr hören. am morgen stimmt der mann mit ins duett ein… der mann lacht noch, ha! was für eine freakige familie wir doch sind, haha und verschwindet zurück ins bad um mit der kloschüssel zu lachen. um acht, am heiligabend morgen rufe ich meine eltern an. ob sie heilig abend nicht mit dem enkel feiern wollten?!?!? der oppa denkt, ich veräppel ihn, aber er kommt die 100 km angefahren, mit der tante und nimmt uns das kind ab. heiligabend zu zweit. stille nacht…unser erstes sturmfrei haben wir uns auch anders vorgestellt.

der 25. brachte immerhin genug energie um den familienbesuch zu bewältigen. meine tante mustert mich beim reinkommen, ‘schon wieder schwanger?’, danke. und: nein. es gibt das gleiche essen, wie jedes jahr, mit einer variation in der vorspeise: kartoffelpuffer mit verschiedenen fischsorten. ich ess kein fisch – wie? vegetarier essen doch fisch? neee. meine schwester hat es offensichtlich auch nicht mit dem magen und mochte noch nie fisch. die hälfte der gäste isst nur rotkohl und klöße. omma guckt traurig in die ferne, weil oppa nicht dabei ist. omma muss zum bahnhof gefahren werden, weil sie ihre schwester von einem anderen bahnhof abolt (das muss man nicht verstehen!), wir wollen aufbrechen, “schon? ihr seid doch grade erst gekommen?”. ja, wir sind aber mit einer großen familie gesegnet, von der wir auch noch ein paar andere sehen wollen. das schaffen wir auch. auf der heimfahrt im auto sind wir zu viert – der mann fährt, die schwester auf dem beifahrersitz, minime und ich hinten. die schwester umklammert einen cola-eimer, den sie von ihrer freundin geschenkt bekommen hat und der ihr in dieser situation gute dienste leistet. cola trifft cola. ein traum. das abendfläschchen findet minime doof und spuckts im hohen bogen aus. ach, das bisschen wäsche ist jetzt auch egal.

am 26. ist der mann wieder ein wenig blass um die nase, minime aber auch. der durchfall ist zurück. eigentlich wollten wir in die ferienwohnung der schwiegereltern. das knicken wir wohl. minime schläft viel, aber nur unter protest, und nur auf meinem bauch oder meinen armen. nee, weihnachten ist echt schön.

und: wenn ich noch einmal höre “wir müssen uns zwischen den feiertagen noch sehen”: das sind 4, in worten VIER tage. warum verdammte hacke ausgerechnet an diesen v.i.e.r. tagen? das jahr hat 361 andere schöne tage! da freu ich mich auch, euch zu sehen. und wenn die leute wenigstens sagen würden: sollen wir dann vorbei kommen? nein. bestenfalls ein offenes ‘können wir uns ja treffen’, schlimmstenfalls ein ‘könnt ihr ja mal vorbeikommen’. genau. mal. aber nicht zwischen den jahren. ich mach da urlaub.

highlights gab es aber auch, vor und an weihnachten:

- am 21. saß mama nach einem laaaangen bürotag im zug auf dem weg nach hause, als das telefon franziskript zu ihr sprach: ‘hallo melanie. du bist nominiert bei den goldenen bloggern’ – und ich so: echt??? na gut, so überrascht war ich nicht, ich hab mich in der vorauswahl mindestens einmal nominiert. aber bei der abstimmung saß ich noch im zug, weiß also, ich hab mich nicht selbst gewählt. und habe in der kategorie mama-blog ganz echt gewonnen. naja, fast: denn genaugenommen teile ich mir den platz mit das nuf. das hatte – hab ich mir vom mann erzählen lassen – genau so viele stimmen. entschieden hat dann ein los. und das ist ja kein echter sieg. für mich war das trotzdem wie weihnachten.

- der christstollen von omma.

- geschenke! es gibt jahre, da gefallen mir alle. nur, dass wir uns ja eigentlich nix schenken. und ich mich meistens – als einzige, versteht sich – dran halte…

- kleine vorgeschichte: der mann und ich haben uns über die musik kennen gelernt. schulmusical, musikschulorchester und so. und er hat zu weihnachten noten bestellt – diese hier. heute saßen wir dann da und haben versucht, ein bisschen nachzuspielen. war dat schön! denn seitdem wir zusammen sind, haben wir es noch kein einziges mal geschafft, zusammen musik zu machen.

FRÖHLICHE WEIHNACHT ÜBERALL!

ach, will noch jemand wissen, worüber der 9monate alte minime sich – unter anderem – zu weihnachten gefreut hat?

klapperente lotte

klapperente lotte von spiegelburg

Handpuppe Krokodil

Sigikid Handpuppe Krokodil

——

* heteronormativ = gender-sprech für: hetero-beziehungen gelten als norm.

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Jeden Tag ein bisschen…

rundumaktionen wie “mal die wohnung aufräumen und putzen” hab ich nie ernsthaft betrieben, aber mit kind funktioniert das ja schon mal gar nicht. weil, so in murphysmamagesetz irgendwas ist immer. ich weiß noch, wie ich in den ersten wochen nach minimes geburt am schreibtisch saß und versuchte, einen aufsatz für einen sammelband fertig zu schreiben. babies riechen sowas scheinbar, und minime fing immer an zu weinen oder hunger zu haben, wenn ich grade konzentriert bei der sache war. was mich natürlich wütend machte und ungeduldig, ach ein teufelskreis. aus diesen fehlern hab ich gelernt. versuche wie: “das mach ich heute fertig” habe ich aus meiner vorstellungswelt verbannt. und ersetzt durch: jeden tag ein kleines bisschen. kleinvieh macht eben auch mist. also räume ich nie die ganze wohnung oder ein ganzes zimmer auf. räume dafür hier ein bisschen krempel von einer ecke in die andere, wische eine schublade aus und nicht den ganzen schrank. beantworte eine mail (die wichtigste) und nicht alle. das befreit. obwohl sich auf meiner ‘ablage’ inzwischen viel papierkram türmt. aber nicht alles was da rumliegt, muss sofort erledigt werden. morgen ist auch noch ein tag. und übermorgen…

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9 Monate

neun monate hab ich minime in meinem bauch herumgetragen. die hälfte davon von mir und der außenwelt beinahe unbemerkt. neun monate ist er bald alt. ihr wisst, was jetzt kommt: wie die zeit vergeht!

mein leben hat er ganz schön umgekrempelt. habe ich anfangs darauf beharrt, dass ich jetzt neben allem anderen, was mich so ausmacht, eben auch noch mal so ‘mutter’ bin, sehe ich langsam ein, dass schon ganz schön vieles anders ist. wenig davon bedaure ich wirklich. die wochenenden eben fehlen schon in meinem energiehaushalt, aber gut, da könnten alle eltern einen club aufmachen.

und nachdem ich nun gut 30 jahre im mittelpunkt meines lebens stand, kommt da jetzt konkurrenz:

Minime unter Strom

Minime unter Strom

 

am anfang war er dieses häufchen leben, viel schlafend, viel essend. ich konnte schwer einschätzen, was er wahr nimmt. ob es ihm was ausmacht, ob ich ihn auf den arm nehme, oder der mann, oder sonst wer. er wirkte insgesamt sehr ausgeglichen. was ihn besonders machte? die haare und die spuckerei. mensch, entstanden da wäscheberge, weil ich ihn und mich mehrfach täglich umziehen musste. jeder entwicklungsschritt schien ein persönlicher erfolg: lächeln, artikulierte geräusche, eine leichte drehung zur seite – ich hätt am liebsten die ganze bekanntschaft informiert.

9 monate also ist er bald alt. der sechste zahn ist unterwegs, windelgröße 4+, er robbt sich durch die wohnung und greift nach allem, was nicht kindergeeignet ist. sein lieblingslied ist ‘der pillipallipubs’ vom album krümelmucke. lieblingsessen scheinbar wollmäuse. und der obstgetreidebrei am morgen. das schlafen gehen ist noch regelmäßig mit weinen verbunden, obwohl es sich langsam bessert: manchmal schläft er bei seinem fläschen einfach im arm ein. goldene momente. ebenso wie das glucksen beim kitzeln oder guckguck spielen.

vieles schönes neues in meinem leben. ich gewöhn mich langsam dran. langsam.

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Hummelgruss

ein kleiner gruß von minime, ein lied von seinem aktuellen lieblingsalbum.

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Energie.Haushalt.Ansprüche.

ihr habt total recht, wenn ihr glaubt, ich jammere auf hohem niveau. respekt vor all den berufstätigen mehrfacheltern und alleinerzieher_innen undundund. manchmal glaube ich euch nicht, dass ihr das alles wumpt. ihr habt bestimmt superkräfte, personal und ghostwriter.

mir fehlt leider jeglicher ehrgeiz, um alles gleichzeitig gleich gut zu machen: job, familie, freizeit. obwohl ich oft auch den anspruch, oder sogar lust dazu habe. aber mein energiehaushalt ist vielleicht begrenzter als der von anderen. oder ich achte nur sehr gut darauf. auf jeden fall sind jetzt, mit prekärem job, baby, doktorarbeit und dem bedürfnis nach erholung meine grenzen viel schneller erreicht.

ich mache mir bewusst – wenn überhaupt – nur sehr kurze to-do-listen. da stehen dann z.b. drei dinge drauf, von denen ich denke: wenn du heute das geschafft hast, war es ein guter tag. und dann schaff ich sie doch nicht alle, weil irgendwas dazwischen kommt: ein anderer arbeitsauftrag, ein fieberndes kind, eine zu kurze nacht oder kaffee in meinem rechner (jaja, sagt nix).

und gegen meinen biorhythmus arbeiten, das habe ich ganz schnell aufgegeben. ich war noch nie ein fan von diesen die-nacht-durcharbeiten-um-die-seminarbeit-fertig-zu-machen leuten. referate, ok, aber was schriftliches und wichtiges? never. meine masterarbeit habe ich trotz begrenzter zeit nach folgendem schema geschrieben: vormittags von 9 bis zwei, dann zweistündige fernseh-/nickerchenpause und anschließend noch mal zwei stunden. obwohl ich abends zum beispiel noch ganz gut auch (fach-)literatur lesen kann, habe ich das auch bald aufgegeben. denn da klingelt das telefon, man verabredet sich (also vor minime) oder macht sport.

manchmal denke ich somit, ich bin nicht geeignet für überhaupt einen job, der sowas wie karriere beinhaltet. wo man immer beschäftigt, voll auf zack ist, ein haken auf der todo-liste nach der anderen macht undundund. oder an der uni, wo man alles wissen muss, dementsprechend dauernd lesen, denken, schreiben.

also schraub ich meine ansprüche runter, versuche mich durch den tag zu mogeln wurschteln und am ende kein schlechtes gewissen zu haben, weil wieder mal viel liegen geblieben ist, ich wieder nicht beim sport war, meine besten freunde zu wenig sehe oder mich nicht mit schnupfen ins büro schleppe.

und das, ohne mich zu rechtfertigen. diesen inneren (und manchmal unsubtil von außen vernehmbaren) vorwurf, das kind diene als entschuldigung für alles, was man nicht – mehr – schafft ignorieren. ICH schaffe einfach nicht alles. und das zu akzeptieren, ist wohl das schwerste…

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